L Ü B B E N   ( S P R E E W A L D )     -    S T A A T L I C H     A N E R K A N N T E R    E R H O L U N G S O R T

Nachtwächterrundgang auf eigene Faust

Stationen:

Am touristischen Zentrum (Nachtwächter-Pfad – Standort 1)

Lübben, das Tor zum Ober- und Unterspreewald, liegt gewissermaßen am „Spreewald-Äquator“ und wurde erstmals um 1150 im „Nienburger Bruchstück“, einer Bestandsaufnahme des Klosters an der Saale, urkundlich erwähnt. Die Stadt liegt auf einer kleinen Talsandinsel und ist die einzige Möglichkeit, den Spreewald von West nach Ost zu durchqueren. Diese Lage bestimmte ihre Geschichte dramatisch. Wir befinden uns am Touristischen Zentrum, das 1999, anlässlich der Verleihung des Titels „Staatlich anerkannter Erholungsort“ eingeweiht wurde.

Gehen Sie bei Gurken-Paule vorbei auf die Schlossinsel bis Sie nach ca. 100 Metern, links, die Brücke sehen.


Schlossinsel (Nachtwächter-Pfad – Standort 2)
Blicken Sie über die Schlossinsel. Es ist das alte historische Lübben, das 1945 bis 1947 von den Trümmerfrauen hier zu Grabe getragen wurde.
Die Stadt hatte Pech, denn sie wurde im März 1945 zur Festungsstadt erklärt und vom 20. bis 23. April 1945, vierzehn Tage vor Kriegsende, bedingungslos verteidigt und versank in einem Meer von Flammen. Fast nichts blieb von der Innenstadt erhalten und so erinnert die Schlossinsel, die einst eine 2.50 Meter tiefer gelegenen Wiese war, einerseits an das historische Schicksal, andererseits ist sie heute Vergnügungs- und Erholungsstätte. Wasserspielplatz, Irr- und Klanggarten sind nicht nur Kleinode für die Jüngsten und die sommerlichen Konzerte des „Inselmusiksommer“ mit „No Angels“, Smokie, Hansi Hinterseer oder Max Giesinger locken nicht nur die Jugend.

Wenn Sie jetzt über die Brücke gehen, verlassen Sie den Stadtteil Steinkirchen, der seinen Namen von der ältesten steinernen Kirche der Niederlausitz, errichtet in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, erhielt, und gelangen in den Schlossbereich. Bleiben Sie nach einigen Schritten nach rechts stehen.


Schloss I (Nachtwächter-Pfad – Standort 3)
Vor Ihnen steht das Lübbener Schloss. Allerdings nur das gelbe Gebäude ist das Schlossgebäude im engeren Sinne, denn das linke, graue Gebäude ist der Marstall. Abgeleitet von Mähre, also der ehemalige Pferdestall, ist er später Rentamt, also Finanzamt gewesen. Heute beherbergt er die Stadtbibliothek.
Lübben hatte Glück, denn im Prager Separatfrieden von 1635 wurde die Stadt sächsische Landeshauptstadt der Niederlausitz. So entstand in der Zeit von 1666 bis 1682 auf den Resten einer alten zerfallenen Wasserburg, eine erste Erwähnung deutet auf 932 hin, das Lübbener Schloss im Stil der Spätrenaissance. Herzog Christian I. von Sachsen-Merseburg ließ es errichten.
Übrigens drehte der letzte Lübbener (Schloss)Nachtwächter Alfons Kurras bis 1936 hier noch seine Runden.

Folgen Sie seinen Spuren entgegen dem Uhrzeigersinn ums Schloss. Im Frühling gehen Sie vorbei an einem herrlichen „Blumen-L“ – einem Kunstobjekt der Stadt.


Schloss II (Nachtwächter-Pfad – Standort 4)
Sie stehen vor dem Ostgiebel, dem architektonisch schönsten Teil des Schlosses. Koryntische Säulen und Weinreliefs, die die Fenster umrahmen. Es sind Kleinode der Baukunst, die des Nachts von Flutern angestrahlt werden. Ihre wahre Schönheit allerdings morgens, wenn die Sonne aufgeht, zeigen. Schließlich lesen Sie in Latein „Mit Gott in den Tag“.
Bevor Sie über die knallroten, riesigen Blumenkübel (sie symbolisieren den einstigen Standort des dritten Schlossflügels) ins Streiten geraten, gehen Sie einfach ein paar Schritte weiter um die Ecke, denn hier finden Sie den Eingang zum Schloss. Betrachten Sie das Portal etwas genauer, so sehen Sie über der Tür das herzogliche Wappen in Gold-Grün, das auf die sächsische Zeit verweist und daneben finden Sie die Zahl 1682, der Fertigstellung des Schlosskomplexes.
Nehmen Sie sich die Zeit und besuchen Sie das Museum, das das Schloss beherbergt. Unsere „Schloss-Junkerin“ verwaltet nicht nur die musealen Geister, sondern begeistert mit ihren stets neuen Ideen auch die Jüngsten.

Gehen Sie um den alten Wehrturm herum und nehmen auf dem „Ehebett“ Platz.


Schlossturm (Nachtwächter-Pfad – Standort 5)
Sie sitzen auf dem Schlosshof, des einst dreiflügeligen Lübbener Schlosses. Eins, zwei …? Die knallroten Blumenkübel mit ihrem eingepflanzten Feldahorn symbolisieren den „dritten“ Flügel…
Wenden Sie sich dem kolossalen Gebäude des Schlossturms zu. Seine Mauern sind bis zu 2.50 Meter stark. Schließlich war er der Wehr- und Wachturm, später Munitions- und Kornkammer … Viel könnte man über seine wechselvolle Geschichte erzählen.
Wir schreiben das Jahr 1815. Zwei Jahre zuvor hatte die Niederlausitz, damals Sächsisch, mit Napoleon auf, wie immer, der falschen Seite gefochten, verloren und wurde im Ergebnis des Wiener Kongresses „Beutepreußisch“. Lübben verlor den Status als Hauptstadt mit zentralen Regierungsbehörden und fiel in einen 100-jährigen Dornröschenschlaf.
1915, anlässlich der 100-jährigen Zugehörigkeit der Niederlausitz zu Preußen, ließ der Landesherr das Schloss restaurieren. (In diesem Zusammenhang wurde der baufällige dritte Schlossflügel abgetragen.) Aus dem ehemaligen Huldigungssaal der Stände der Niederlausitz, im oberen Teil des Schlossturms, wurde der Wappensaal – einer der schönsten Säle Deutschlands. Über 100 Wappen der Stände und Städte zieren ihn. Auf der Rückseite zeigt ein monumentales Wandbild den Empfang Friedrich II. Eisenzahn 1448 vor den Toren der Stadt (welche Idee hätten Sie gehabt, dieses historisierende Wandbild über die Zeit der „Arbeiter- und Bauernmacht“ zu retten?). Die Eichenbalkendecke ist mit reicher Ornamentik verziert – ein wahres Kleinod.
Doch das wichtigste Zimmer ist vergittert! Links neben dem Eingangsportal befindet es sich und falls Sie sich trauen zu trauen, nutzen Sie es.
Geben Sie ruhig den Taler aus und betrachten Sie alles von Innen. Es ist gut angelegtes Geld. Übrigens, der Eingang befindet sich, wie bis 1915, hinter dem Schlossturm, denn der vordere Eingang wurde wegen des Besuchs des Kaisers, des Landesherrn, erst 1915 eingelassen. Doch der Kaiser kam nie, denn der befand sich bereits im Krieg und so ist das Einzige, was an ihn erinnert, die Inschrift über dem Eingangsportal. 
Sie sitzen noch immer auf dem Ehebett. Da hören Sie knackend die Zugbrücke hinter sich heruntergehen, um in die Stadt zu kommen. Doch passen Sie auf, die Spree, die bis 1913 hier noch floss, wurde wegen des Empfangs des Kaisers zugeschüttet.

Nutzen Sie die neu entstandene Querungshilfe.


Ständehaus (Nachtwächter-Pfad – Standort 6)
Sie hören die Ratsche des Stände-Nachtwächters, der im Schlossbereich seinen Dienst versah. Anders als der städtische Nachtwächter ging er nicht mit Horn seine Runde, denn außer dem Ständehaus-Kastellan, über Jahrzehnte Max Dreyer, wohnte niemand im Schlossbezirk, wenn nicht die Stände tagten.
Versetzen Sie sich 300 Jahre zurück, damals 1717 bis 1722 errichteten die Stände - Ritter, Städte und Prälaten - gewissermaßen das Parlament, als politisches Legislative, das Ständehaus. Sie haben Glück, denn im Siebenjährigen Krieg sollte es vom Preußischen Besatzungs-Major angezündet werden, wenn die sächsischen Stände nicht 20.000 Taler Kriegskontribution aufbringen würden …
Aber auch heute geht das Gebäude (in ihm befindet sich im Erdgeschoss eine kostenlose Ausstellung über die Historie) wieder in die Geschichte ein. Denn das Gebäude ist heute Sitz des Landrates und der Verwaltung des Landkreises Dahme-Spreewald (LDS).

Bevor Sie dem kleinen Straßenversatz folgend die Gerichtsstraße weiter“ bergan“ gehen, werfen Sie noch einen Blick auf die beiden Reliefs am Eingangsportal des Gerichtsgebäudes. Beide haben politische Systeme überstanden und geben der Hoffnung Ausdruck, dass die Gerichtsbarkeit unabhängig sei.


Hauptstraße (Nachtwächter-Pfad – Standort 7)
Verschnaufen Sie ruhig. Sie haben es geschafft, den „Gipfel der Tour“, den höchsten Punkt in der Innenstadt erreicht. Schauen Sie nach links, nach rechts, nach hinten. Es geht nur abwärts … und so sei die Frage erlaubt, warum das?
Erinnern Sie sich an den Beginn unserer Tour, als wir die besondere Lage der Stadt als einzige Möglichkeit, den Spreewald zu durchqueren, beschrieben. Nach Osten blicken Sie bis zum Gubener Stadttor, nach Westen sehen Sie das andere Stadttor, das Luckauer, nicht, da beide seit 1753 nicht mehr existieren. Mehr Stadttore hatte Lübben nicht (und Spötter sagen noch heute, das eine wäre um in die Stadt zu kommen, und das andere, um sie wieder zu verlassen gewesen). Darin liegt sogar die Wahrheit, denn nach Norden und Süden gab es nur Sumpf und Sand des Spreewaldes.
Doch was hat dies mit „dem Gipfel“ auf sich? In friedensreichen Zeiten blühte der Handel in der Stadt und nicht nur aus dem „Pflastergeld“ floss so mancher Taler in die Stadtkasse. In kriegerischen Zeiten war die Stadt jedoch aufgrund der Lage umkämpft, denn wer sie in Besitz hatte, beherrschte die Militärbewegungen südlich von Berlin und so wurde sie oftmals ein Hort der Zerstörung, um sie schließlich wieder auf Trümmern und Schutt neu aufzubauen. So „wuchs“ die Stadt und die Hauptstraße wurde gewissermaßen zur „Hohen“ Straße …

Wenden Sie ihre Schritte nach links in Richtung Marktplatz und bleiben Sie gegenüber der Delphinen-Apotheke stehen.


Delphinen-Apotheke und Goldener Löwe (Nachtwächter-Pfad – Standort 8)
Schauen Sie sich um. Blicken Sie über den Markplatz und die ihn umgebenden Häuser. (Fast) KEIN Gebäude hat die letzten Apriltage 1945, als die Stadt als „Festungsstadt“ erklärt und bedingungslos verteidigt wurde, überstanden.
Trotzdem ist die Historie sichtbar. Da stehen wir vor der Delphinen-Apotheke, der ältesten Apotheke der Niederlausitz aus dem Jahr 1569. Sie stand einst drei Häuser „den Berg hinauf“ und wurde als erstes Gebäude am Markt im Oktober 1948, wegen der pharmazeutischen Versorgung der Bevölkerung, wieder eingeweiht. Übrigens hatte der Apotheker einst das Privileg, als einziger Alkohol zu verkaufen.
Heute erhalten Sie diesen auch in der ältesten Gastwirtschaft der Stadt, dem „Goldenen Löwen“, die im Januar 2019 ihr 300-jähriges Jubiläum feierte.
Die Häuser auf der gegenüberliegenden West-Seite des Markplatzes standen bis zu dessen Neugestaltung zu Beginn unseres Jahrtausends noch nicht, denn der Marktplatz war einst 60 Meter länger, schließlich waren wir Hauptstadt der Niederlausitz, und der Marktplatz hatte eine West-Ost-Ausdehnung. Diese wird heute durch eine Nord-Süd-Ausdehnung ersetzt. Damit wird das Rathaus, übrigens der letzte Neubau am Markt aus dem letzten Jahrtausend (eingeweiht am 30. Januar 2000) wieder an die Hauptstraße „geholt“, denn das alte Lübbener Rathaus stand (in etwa) dort, wo sie den kleinen Platanenhain sehen.

Gehen Sie einfach herüber und ruhen sich im Schatten der Bäume ein wenig aus und vielleicht erörtern Sie die Frage, was der Marktplatz versinnbildlichen soll.


Marktplatz (Nachtwächter-Pfad – Standort 9)
Fragen über Fragen bewegen Sie jetzt, doch der Reihe nach …
Der Marktplatz symbolisiert unsere Heimat, den Spreewald, so der Städteplaner, dessen Entwurf realisiert wurde. 80 Prozent des Spreewaldes sind Wiesenlandschaft, deshalb sind 80 Prozent des Marktplatzes unbebaut und damit kann auf dieser Fläche auch der traditionelle Markt abgehalten werden. 20 Prozent des Spreewaldes sind Wald, der Platanen-Hain in seiner doppelten Bedeutung. Dann gehört zum Spreewald Wasser. Sie suchen es? Der Springbrunnen gegenüber dem Eingang zum Rathaus ist nicht eingefasst, denn das Wasser kann seit 10 000 Jahren im Spreewald hinfließen, wohin es will …
Und davor, die Sitzbank symbolisiert den Spreewaldkahn, der durch das Wasser gleitet und seit Hunderten von Jahren unsere Lebens- uns Arbeitswelt bestimmt. Illuminiert wird der Marktplatz des Nachts von den vier Stangen, diesem stecken. Nein, es sind keine Stangen, sondern Rudel und mit diesen stakt die/der Kahnfährfrau/-mann den Kahn. Vergrößert, oben in die Blätter sind die Lichtpunkte eingesetzt, erleuchten sie den Marktplatz bis zur mitternächtlichen Stunde.

Schlendern Sie quer über den Marktplatz und bleiben Sie vor dem Denkmal des bekanntesten Sohnes unserer Stadt, Paul Gerhardt, stehen.


Paul-Gerhardt-Denkmal (Nachtwächter-Pfad – Standort 10)
Nicht nur topographisch sind Sie den Marktplatz hinuntergelaufen, sondern auch 350 Jahre zurück. (Übrigens, damals hätten Sie jetzt am höchsten Punkt des Marktplatzes gestanden.)
Wir schreiben das Jahr 1668. Der in Lübben geachtete Stadtrat von Hoymb hatte seinen Freund Paul Gerhardt, der als Pfarrer an der ältesten Berliner Kirche, St. Nikolai, beim Landesherren wegen der Glaubensfrage zwischen Calvinisten und Lutheranern in Ungnade gefallen war, nach Lübben zur Probepredigt geholt. Obwohl einige seiner Eigenarten der Lübbener Gemeinde missfielen, trat Paul Gerhardt, schon damals wegen seiner Texte viel beachtet, zu Pfingsten 1669 seinen Dienst an der ehemaligen Hauptkirche unter Superintendant Johann Georg Hutten an.
Das Denkmal vor der Kirche, die seit 1931 seinen Namen trägt, ist ein Geschenk zu seinem 300. Geburtstag, 1907, gewesen und trägt im Sockelbereich Verse seiner Texte, die Ihnen als Lieder bekannt sein dürften.
Treten Sie in die Kirche ein und gehen Sie, im Gedenken an Paul Gerhardt im Turmbereich die fünf Stufen nach unten – Marktplatz-Niveau von 1494. Vielleicht begegnen Sie Paul Gerhardt, Pfarrwitwe Sabina Fromm, die einst seinen Haushalt führte, oder Stadtrat von Hoymb als heutige Stadtführer, die Ihnen gern mehr erzählen, oder fragen Sie Pfarrer, Kantor oder Gemeindediener …
So Sie wieder „nach oben“ steigen, blicken Sie, wenn Sie die Kirche verlassen, auf die Inschrift über dem Eingangsportal, denn diese bescherte einst einem Lübbener Nachtwächter in Sächsische Staatsdienste zu treten, und schließen Sie sich der Türmerin an, um „von oben“ auf die Stadt zu schauen.

Falls Sie über Paul Gerhardt mehr wissen möchten, werden Sie nach wenigen Stationen auf das Paul-Gerhardt-Zentrum verwiesen. Vorerst sehen wir uns vor dem Eingang des Rathauses gleich wieder.


Rathaus Lübben (Nachtwächter-Pfad – Standort 11)
Blicken Sie durch die Fenster der großen Glasfront in das Foyer des Rathauses, so fällt Ihr Blick auf das Spiegelbild des „Alten Lübbener Marktes“, denn so sah dieser bis April 1945 aus. Sie erkennen das alte Rathaus, die Bürgerhäuser rings um den Markt und die vielen Glassplitter, die sie sinnlose Zerstörung symbolisieren.
1950 hätten wir von hier aus durch die gesamte Stadt schauen können. 1990 sah sie wie ein „stark sanierungsbedürftiges Gebiss“ aus. Das war Pech, aber auch Glück, denn so konnte die Stadt 1992 der neu gegründeten Brandenburger Technischen Universität (BTU) in Cottbus, Lehrstuhl Städtebauplanung, den Aufbau der Stadt übertragen. Was Sie sehen, ist das Ergebnis der über 25-jährigen erfolgreichen Zusammenarbeit … und fertig sind wir noch nicht.
Gönnen Sie sich einen letzten Blick über den Marktplatz, der am 12. März 2007, zum 400. Geburtstag von Paul Gerhardt eingeweiht wurde.

Gehen Sie durch die Poststraße, bis Sie die „Liuba-Lichtspiele“, das Kino, erreicht haben.


Liuba-Lichtspiele (Nachtwächter-Pfad – Standort 12)
So begann manche Liebschaft im hiesigen Kino, aber so endet auch die Erzählung der Liebesgöttin „Liuba“, deren Namen die Lichtspiele wieder tragen.
Lassen Sie zuvor den Blick über den vor Ihnen liegenden Platz, der zum Luckauer Stadttor führt(e), schweifen. Die Straße teilt sich, so sie in die Stadt hineinführt, um in alten Zeiten feindlichen Truppen nicht sofort den Blick durch die Stadt auf den Marktplatz zu gewähren. Der Brückenplatz wird derzeit als Brückenschlag zwischen Markt und Breiter Straße wiederbebaut.

Gehen Sie ein paar Schritte bis zum Brauhaus-Platz. Dort stehen Sie vor dem Traditionshaus der ältesten Feuerwehr Brandenburgs aus dem Jahr 1863. Weiter geht es die Gasse entlang, bis Sie nach wenigen Schritten vor dem großen Tor des Brauhauses stehen bleiben.


Brauhaus (Nachtwächter-Pfad – Standort 13)
Schon Paul Gerhardt hat einst über das Lübbener Bier festgestellt: „Wer das trinkt, kann gleich aus der Spree saufen.“… dabei hat man früher stets dem Nachtwächter die Schuld gegeben, wenn das Gebräu wieder einmal ein fürchterliches Gesöff war. Doch der gab stets sein bestes und rief in der Nacht vorm Brauen aus. „Hört Ihr Herrn und lasst Euch sagen, die Nacht wird nicht in die Spree gemacht …“
Dass es nicht immer geholfen hat, versteht sich von selbst. Aber auch die Hilfe des Herrn reicht dann nicht, obwohl die Kirche gleich neben dem Brauhaus steht und wenn Sie sich noch weiter umsehen, dann fällt Ihr Blick auf das „Schloss Am kleinen Hain“, in dem sich heute das Paul-Gerhardt-Zentrum von Verein und Kirchgemeinde befindet.

Jetzt sollten die Herren Ihre „Weiber“ fest an die Hand nehmen, denn die Schritte um die Ecke, entlang der Stadtmauer, könnten für diese gefährlich werden.


Hexenturm (Nachtwächter-Pfad – Standort 14)
Sie, die Herren, haben Ihr „Weib“ noch fest im Arm? Der Eckturm der Stadtmauer, vor dem Sie stehen, ist der „Hexenturm“.
Keine Angst, die „Gefahr“ ist nicht mehr gegenwärtig, wie damals 1618, Sie lesen die Zahl in der Wetterfahne. Schnell war das „Weib“ damals „in Verruf“ geraten und der Hexerei beschuldigt. So auch die Schwestern von Weltwitz, die als „letzte Hexen“ ihre letzten Stunden in dem Turm fristeten, bevor sie auf den Marktplatz geführt wurden, wo bereits der Scheiterhaufen aufgerichtet war. Der Feuertod wartete auf sie …
Der Turm und das benachbarte Stadtmauerensemble sind bis heute erhalten geblieben und wurden 1983 – 1988 restauriert. Wenn Sie nach wenigen Schritten vor der Stadtmauer stehen bleiben, wird Ihnen der Blick bekannt vorkommen, so Sie bereits den Wappensaal im Schlossturm besucht haben.
Die Stadtmauer, in dieser Form, wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts errichtet und ersetzte damals die alte hölzerne Palisadenwand. Die Stadt war „Steinreich“ – im wahrsten Sinne des Wortes.

Schreiten Sie ein paar Schritte weiter entlang der Spree stromauf bis Sie vor dem nächsten Turm stehenbleiben.


„Trutzer“ – das Domizil des Nachtwächters (Nachtwächter-Pfad – Standort 15)
Der Nachtwächter der Stadt, der 2019 sein „Silbernes Dienstjubiläum feierte“ und damit der dienstälteste Nachtwächter im Osten Deutschlands ist, nutzt den Turm als Domizil.
Die Nachtwächterstube „Trutzer“ und der davorliegende Zwinger sind seine Heimstätte von der aus er zu seinen Rundgängen, die am Rathaus beginnen, aufbricht. „Trutzer“, Sie stolpern über das Wort, das eine Verballhornung darstellt, denn über die Jahrhunderte hat sich ein Buchstabe verändert, das „o“ wurde zum „u“. Ursprünglich hieß er „Trotzer“ und diente somit als Teil der Stadtmauer, um den Feinden zu trotzen.
So der Nachtwächter nicht schläft, ist das Türmchen (auf Nachfrage) auch geöffnet und kann besichtigt werden.
Tisch, Stühle, eine Bettstatt - reich war der Nachtwächter nie. Er gehörte zu den Ärmsten in der Stadt, doch paradox ist, dass ihm die Sicherheit der Stadt in die Hände gelegt wurde, wenn die Sicherheit dieser am gefährdetsten war – des Nachts – und geehrt wurde er dafür oftmals hundserbärmlich.
„Ich hüte das Feuer und das Licht, dass der Stadt kein Schad `geschicht“.

Hören Sie bereits den Torwächter rufen, wenn Sie bis zur Brücke gehen?


Luckauer Stadttor (Nachtwächter-Pfad – Standort 16)
Das Luckauer Stadttor, das früher zwischen den beiden (neuen) Teilen der Stadtmauer stand, wurde vor über 250 Jahren abgetragen, als nach einem Stadtbrand die Steine der Stadtmauer und des Tores für den Neuaufbau benötigt wurden.
„Thor sitzen und Nacht wachen“ gehörten einst zu den Pflichten der Einwohner der Stadt, die sich aus der Bürgerrolle ergaben. Doch diese wurden alsbald Nacht- und Torwächtern übertragen, die diese Aufgabe gegen ein kleines Salär übernahmen. Beide kontrollierten sich dabei gegenseitig, denn der Torwächter hatte „das Stundenglas“ herum zu drehen und der Nachwächter anschließend in der Stadt die neue Stunde auszurufen. Ob es damals so exakt wie heute zuging, darf bezweifelt werden, zumal es im gesamten Deutschland erst seit 1893 eine einheitliche Zeit gibt. Bis dato hatte jede Stadt ihre eigene Zeit.
Blicken Sie über die Brücke, so sehen Sie die Neustadt mit der Breiten Straße. Diese wurde Ende des 17. Jahrhunderts angelegt, als Lübben zur Hauptstadt der Niederlausitz wurde und der alte städtische Kern nicht mehr ausreichte.

So Sie weiter entlang des Spreeuferwegs schreiten, erkennen Sie weitere Teile der Stadtmauer – riesige Feldsteine – die Teile der Fundamente der Häuser sind und ein Hinweisschild, das auf die ehemalige Nutzung des Teils der Stadt verweist. Verweilen Sie an der Klavierbrücke, die die Spree überspannt.


Klavierbrücke/Badergasse (Nachtwächter-Pfad – Standort 17)
Die „alte“ Klavierbrücke überspannte seit der Erweiterung der Stadt die Spree und einst waren die hölzernen Bohlen nur aufgelegt, so dass sie jedes Mal klapperten, als ob eine Katze über die Tasten des Klaviers läuft.
Schauen Sie die Badergasse hinauf, so fällt Ihnen sicher die bekannte Breite der Gasse auf, denn durch diese musste einst ein Pferdevorwerk passen.
„Badergasse“ ist nicht nur eine Ortsbezeichnung. Es verbirgt sich auch Stadtgeschichte dahinter, die Sie dem Schild an der Stadtmauer gerade entnommen haben. Barbiert, rasiert wurde hier. Zähne wurden von den Badern gezogen und die Herren badeten in den Badestuben in den hölzernen Trögen, als es fließendes Wasser nur in der Spree gab. Schließlich hält sich bis heute noch das Gerücht, dass sich in der Badergasse auch die „Lust- und Sprungstuben“ befunden hätten. Andernorts heißen diese Rosengasse oder Petersiliengasse …

„Hinter der Mauer“, gemeint ist die ehemalige Stadtmauer und wenn Sie jetzt die Straße entlang schreiten, schauen Sie nach vorn. Schließlich sind Sichtachsen wesentlich im Städtebau. Verweilen Sie an der Einmündung der nächsten Straße bitte.

  
Judengasse (Nachtwächter-Pfad – Standort 18)
Längst haben Sie Lübbens Schloss entdeckt und den mächtigen Schlossturm wiedererkannt, welches die Sichtachse eröffnet.
Blicken Sie die Judengasse hinauf, müsste Ihr Blick auf den Marktplatz treffen. Doch das geschieht nicht (mehr), denn die westliche Seite des Marktplatzes bildet nicht mehr die verlängerte Judengasse, sondern diese ist mit der Neugestaltung nach Osten gerückt.
Aber auch die Judengasse, die nach der politischen Wende 1990 ihren ursprünglichen Namen zurückerhielt, gibt Aufschluss über die ehemaligen Bewohner. So soll es einst das erste „Kaufhaus“, betrieben von Juden, hier gegeben haben. Diesen war die Aufnahme von handwerklichen Berufen und damit die Aufnahme in die Zünfte der Stadt, nicht möglich, so dass sie mit Handel und Geldgeschäften den Lebensunterhalt sichern mussten.
Wenn Sie weiter „Hinter der Mauer“ entlanggehen, öffnet sich nach Norden der Blick auf die Paul-Gerhardt-Kirche, während das nachfolgende Gebäude und das Alten- und Pflegeheim auf der Südseite unseren älteren BürgerInnen ein altersgerechtes Wohnen ermöglicht. Nicht an den Rand der Stadt, sondern im Zentrum wohnen, so lautet der Grund für den Beschluss der Errichtung der Gebäude durch den Stadtrat 1991 und so können „unsere Alten“ am städtischen Leben teilhaben.

Vor sich erkennen Sie bereits den zweiten erhaltenen Teil der Stadtmauer, zu dem Sie laufen. Dabei lenken Sie Ihre Gedanken für ein paar Augenblicke in die nächtliche Stadt


Napoleon-Bogen (Nachtwächter-Pfad – Standort 19)
Als Gäste, die Sie die Stadt für sich erobern, sind Sie gern gesehen Gäste. Doch, der Größte, der je in der Stadt weilte, sind Sie nicht, denn das war einer der Kleinsten. Am 21. Juli 1813 weilte der Französische Kaiser, Napoleon Bonaparte, in Lübben, denn seine Generäle hatten ihm empfohlen, die entscheidende Schlacht gegen Russen, Preußen und Verbündete vor den Toren der Stadt zu schlagen. Um das Schlachtfeld zu besichtigen, hätten die Lübbener extra diesen Boden in die Stadtmauer hineingeschlagen, so berichtet die Anekdote.
Obwohl östlich vor den Toren der Stadt bereits 40 000 Soldaten auf der sogenannten „Schweineweide“ ihr Quartier aufgeschlagen hatten, erkannte Napoleon, dass man in Sumpf und Morast keine Schlacht schlagen könne und zog nach nur drei Stunden Aufenthalt weiter.
Die Stadt kam damals um die Zerstörung herum, leider hatten wir das Glück nicht 1945. Die Folge seiner Entscheidung war dann die Völkerschlacht vor den Toren von Leipzig, bei der wir auf „seiner“ Seite kämpften und verloren. In Folge, 1815, im Ergebnis des Wiener Kongresses, wurde die Niederlausitz an Preußen abgetreten und Lübben wurde „Beute-Preußisch“.
Der Name „Napoleon-Bogen“ hat die Jahrhunderte überdauert.

Der Platz davor, auf den Sie jetzt gelangen, hat sein Antlitz seitdem völlig verändert.


„Altes Gärtnerhaus“ (Nachtwächter-Pfad – Standort 20)
Sie sind wieder vor den Toren der Stadt. Zu Napoleons Zeiten verlief entlang der Stadtmauer noch der schützende Stadtgraben. Rechterhand lag bis nach der Zerstörung am Ende des Zweiten Weltkrieges der Lübbener Hafen, der ebenso mit den Trümmern der Stadt gefüllt wurde und vor Ihnen schlängelte sich im Verlauf der Straße die Spree. Sie stehen auf dem „Platz am Napoleonbogen“, drehen sich noch einmal um und blicken auf die altehrwürdige Paul-Gerhardt-Kirche, deren Kirchenschiff einzig die Kriegswirren 1945 unbeschadet überstanden hat. Ein wahres Wunder oder … Der Kirchturm war über 40 Jahre eine mahnende Ruine, der erst 1988, im Zeichen der Versöhnung beider deutscher Staaten wiederaufgebaut wurde. Der Vertrag der zweiten deutsch-deutschen Partnerstädte (Neunkirchen/Saarland und Lübben/Spreewald) wurde 1986 im Wappensaal des Lübbener Schloss, das Sie jetzt wieder auf der linken Seite sehen, unterzeichnet.
Lübben war einst ein idyllisches Örtchen, in dem selbst Heinz Rühmann gern weilte und Teile seiner Filme drehte. Dieses Tor zum Ober- und Unterspreewald mit einem neuen Antlitz der Stadt, gelegen in der Idylle des Spreewaldes ist es wieder geworden. 

Gehen Sie den Weg jedoch weiter über den alten Spreeverlauf, den heutigen Ernst-von-Houwald-Damm, seien Sie bitte vorsichtig oder nutzen rechterhand den Fußgängerüberweg. Dann stehen Sie wieder am Ausgangspunkt Ihrer Tour.


Verweilen Sie noch ein paar Augenblicke, setzen sich in einen der Kähne und lassen sich die zweite Seite der Stadt, die Natur unserer Heimat zeigen.