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Trüschels Kolonie

Am 22. Juli 1998 jährte sich zum 80. Male der Tag, an dem die Grundsteinlegung zur Heimatstättenkolonie - oder, wie sie im Volksmund heißt, zur Kolonie Trüschel - erfolgte.

Zur damaligen Zeit endete das Weichbild der Stadt mit der Gubener Vorstadt an der Gubener Tor-Brücke.
1917 faßte der Fabrikant Arthur Trüschel den Entschluß, Pläne zur Errichtung einer Heimatstättenkolonie erarbeiten zu lassen. Mit der Planung wurden das Architekturbüro Heider aus Berlin - Charlottenburg und der Bildhauer und Gartenarchitekt Bourbott betraut. Kein Geringerer als Richard Riemenschmied stand mit Rat und Tat zur Seite. Da die Bautätigkeit zu der Zeit völlig darnieder lag, ließ sich kein Baumeister finden, der die Schwierigkeit der Materialbeschaffung auf sich nehmen wollte. Unter anderem waren veranschlagt: 1.600.000 Mauersteine, 44.000 Klinkersteine, über 48.000 Massiv-Deckensteine, 26.000 holländische Pfannen-Dachsteine, 88.000 Biberschwänze, 600 Fenster und 850 Türen. Ebenfalls ließ sich keine Berechnung der Endsumme aufstellen, da schon zu der Zeit Material und Arbeitslöhne ständig stiegen. Und so sah Trüschel gezwungen, seinem Betrieb eine Bauabteilung anzugliedern. Außerdem errichtete er ein Sägewerk und eine Tischlerei und nahm auch die Herstellung von Möbeln auf.
Gleichzeitig damit begann die der Kultivierung von Bodenflächen und der Bau der benötigten Straßen (der heutigen Frankfurter Straße in der Kolonie, der heutigen Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße und des heutigen Dreilindenwegs, soweit sie vor der Kolonie verlaufen).

Forderungen der Stadt, die heutige Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße statt 9 Meter auf 12 Meter zu verbreitern, gingen auf Kosten von Vorgärten. Auch die Weigerung eines Garteneigentümers, sein Grundstück zu verkaufen, machte eine Änderung der Pläne notwendig. Statt eines vorgesehenen Gesellschaftshauses mit Saal, Bibliothek, Leseräumen und Bühne entstand das Achtfamilienhaus Frankfurter Straße 8, das im übrigen wesentlich dichter als gedacht an die Parkanlage herangerückt wurde. Trotzdem: Schon nach zwei Jahren war die Kolonie vollendet und bereicherte das Stadtbild. Die Häuser Frankfurter Straße 1 bis 16, Dreilindenweg 1 bis 4 und Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 1 bis 3 gaben Familien ein neues Zuhause.

Zwei Bauensembles, die späteren Häuser Frankfurter Straße 1 bis 3 und die späteren Häuser Frankfurter Straße 3 und 13, mit Kolonnaden versehen, lenkten den Blick auf den zentralen Punkt der Anlage. Die Ensembles sind spiegelsymmetrisch zueinander gestaltet, ohne sich in allen Einzelheiten zu gleichen. Zentraler Punkt ist der sogenannte Platz mit einem Springbrunnen, gestaltet von Bourbott. Flankiert wurde der Platz von je zwei freistehenden Doppelhäusern. Abschluß des Platzes bildet das Achtfamilienhaus Frankfurter Straße 8. Sämtliche Häuser waren weiß geputzt, die Gebäude zur Frankfurter Straße waren mit blaugrauen holländischen Pfannen, die übrigen Häuser mit roten Biberschwänzen gedeckt. Sämtliche Fenster waren weiß gestrichen und mit grünen Fensterläden versehen, die Zinkdachrinnen waren patinagrün gehalten.

Die Kolonie wurde durch die sinnlose Verteidigung Lübbens im Jahre 1945 arg in Mitleidenschaft gezogen. Granattreffer richteten schwere Schäden an. Nicht ein einziges Haus kam ohne Beschädigung davon. Marodierende und plündernde Rotarmisten brannten noch nach Beendigung der Kampfhandlungen die Häuser Frankfurter Straße 4 und 5, Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 1 und Gubener Straße 4ab und richteten auch noch sonst schwere Schäden an.

Die Kolonie ist nach Angabe der Technischen Universität in Cottbus die einzige im ganzen südlichen Land Brandenburg, die in diesem Stil gebaut worden ist.