Offener Brief des Bürgermeisters

Liebe Lübbenerinnen und Lübbener,

die Corona-Krise zwingt uns zum zweiten Mal, enorme Einschränkungen des öffentlichen Lebens hinzunehmen. Zahlreiche Menschen sind existenziell davon betroffen, weil sie ihrer Erwerbstätigkeit nicht mehr nachgehen können.

War die Akzeptanz der Maßnahmen in der ersten Welle im Frühjahr sehr hoch, weil noch wenig Wissen über das neue Corona-Virus vorhanden war, so fällt es vielen von uns jetzt immer schwerer, Verständnis für die Eindämmungsmaßnahmen aufzubringen. Ich kann jeden von Ihnen, der sich in seiner Existenz bedroht oder in seiner Freiheit eingeschränkt sieht und deshalb die Maßnahmen für unverhältnismäßig hält, verstehen. Und ich kann jeden verstehen, der sich um seine Gesundheit und die seiner Angehörigen sorgt. Beide Sichtweisen bilden die zwei Seiten dieser Corona-Medaille ab.

Zugleich möchte und muss ich bei Ihnen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, um Verständnis dafür werben, dass politische Entscheidungen in Krisensituationen nicht passgenau für jede Lebenssituation getroffen werden können. Gerade in dieser Krise mit ihrem rasanten Wachstum erwarten die Menschen von uns Politikern schnelle und zugleich maßvolle Entscheidungen. Auf allen Ebenen – Bund, Land, Kommunen, Verbände – arbeiten jeden Tag zahlreiche Fachleute daran, die Grundlagen dafür vorzubereiten. Es ist mitnichten so, dass nur wenige Menschen an der Spitze des Landes entscheiden, wie die Pandemie bekämpft werden soll. – Das kann ich Ihnen aus meiner täglichen Arbeitserfahrung als Bürgermeister versichern.

Zu den politischen Entscheidungen dieser Wochen gehört einerseits die Prämisse, die Kontakte zwischen den Menschen um ein erhebliches Maß reduzieren zu müssen. Andererseits ist es das erklärte Ziel aller Ebenen, Schulen, Kitas und Horte sowie den Einzelhandel offen zu halten. Wir müssen also in Kauf nehmen, die einen Einrichtungen zu schließen, um die anderen geöffnet zu lassen. Dies empfinden viele Menschen als ungerecht.

Gerade deshalb möchte ich Sie sehr herzlich zu Solidarität aufrufen:

  • mit unseren Kindern und deren Eltern, die die Schließungen der ersten Corona-Welle besonders hart getroffen haben,
  • mit allen, die von den jetzigen Schließungen erneut stark betroffen sind: den touristischen Leistungsträgern, den Gastronomiebetrieben, der Kultur- und Kreativwirtschaft und allen Dienstleistern – ob Sport oder Kosmetik oder…, die normalerweise für uns da sind, um unser Leben zu verschönern,
  • mit allen Menschen, die an Covid19 erkrankt sind und um ihre Gesundheit bangen müssen,
  • mit allen Ärzten und Pflegekräften, die in dieser Krise unter Einsatz ihrer Gesundheit Unvorstellbares leisten,
  • mit allen Menschen, die ihrem Beruf unter zum Teil enorm erschwerten Bedingungen nachgehen, um unser öffentliches Leben aufrecht zu erhalten, z.B. Lehrer und Erzieher, Verkäufer und Ordnungskräfte
  • mit allen Menschen, die diese Krise Tag für Tag managen müssen, z.B. in den Gesundheitsämtern und Behörden
  • und mit Ihren Nachbarn, die möglicherweise auf spontane Unterstützung angewiesen sind.

Für uns alle wünsche und hoffe ich, dass die jetzigen Maßnahmen erfolgreich sind und dass wir recht bald zu unserem gewohnten und geliebten gesellschaftlichen Leben zurückkehren können. Doch die Pandemie wird uns noch sehr lange beschäftigen. Deshalb wird auch dieses Weihnachtsfest ein anderes werden, als wir es kennen – ebenso wie das Osterfest, weitere Feierlichkeiten oder der Jahresurlaub es waren.

Und deshalb möchte ich Sie gern einladen, bei allen Herausforderungen, die diese Pandemie für jeden von uns mit sich bringt, auch die kleinen und großen Hoffnungsschimmer zu sehen und zu verbreiten:

  • die große Bereitschaft vieler Menschen, fehlende Nähe durch Hilfestellungen und freundliche Worte auszugleichen,
  • die wachsende Kreativität vieler Menschen, sich auch digital herzlich und ermunternd zu begegnen,
  • die vielfältigen Einladungen unserer Gastronomen, uns weiterhin via Liefer- bzw. Abholdienst mit leckeren Speisen zu versorgen,
  • das Angebot unserer Kreativen und Dienstleister, digital an unserer Seite zu bleiben, z.B. in den Bereichen Kultur und Sport,
  • die Tatsache, dass wir unser Fernweh auch bald wieder ganz in der Nähe stillen dürfen, nämlich an den schönsten Orten unserer Region,
  • und schließlich: das immerwährende Angebot unseres schönen Spreewaldes, in der Natur durchzuatmen und Kraft zu tanken.

Denken Sie bei Ihren Ausflügen im Spreewald und beim Bummel durch unsere Stadt daran,

  • wieder verstärkt lokal einzukaufen,
  • zum Fest Lübbener Citygutscheine zu verschenken,
  • hiesige Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen,
  • künftige Ausflüge auch regional zu planen,
  • mit Ihren möglicherweise geplanten vorweihnachtlichen Spenden lokale und regionale Vereine und Initiativen zu bedenken!

Sie wissen, wie vielfältig das Angebot bei uns dafür ist, auch wenn es zurzeit nicht überall zum Vorschein kommen darf. Die digitalen Plattformen Ihrer Kommune – das 360°-Branchenportal, die Plattform Lübben hat Herz der Stadt- und Überlandwerke, der Bürgerservice und der Tourismus-Bereich auf der Lübbener Homepage mit der Ideen-Börse Spreewald zu Hause – stehen Ihnen dazu jederzeit zur Verfügung.

Denken Sie bei allem bitte an die AHA-Regeln: Abstand halten, Hygiene einhalten, Alltagsmasken tragen. Beschränken Sie Ihre Kontakte auf das Notwendigste und lüften Sie in Räumen mit mehreren Personen regelmäßig!

Ich bedanke mich herzlich für Ihr Verständnis, Ihre Geduld und Ihre Rücksichtnahme, mit denen Sie zu einer wirkungsvollen Bekämpfung der Pandemie in unserer Stadt beitragen!

Vor allem aber: Bleiben oder werden Sie gesund!

Ihr

Lars Kolan
Bürgermeister