ENTWICKLUNG DER LÜBBENER KITALANDSCHAFT


Die Stadt Lübben (Spreewald)/Lubin (Błota) steht vor einer der größten finanziellen Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte. Ein strukturelles Defizit von rund 4,5 Millionen Euro im Ergebnishaushalt 2026 macht einen gesetzlich vorgeschriebenen Haushaltsausgleich durch einen Nachtragshaushalt erforderlich, um die Liquidität der Stadt zu sichern. Vor diesem Hintergrund hat die Stadtverwaltung in der Stadtverordnetenversammlung am 26. Februar umfassend über die Entwicklung der Lübbener Kitalandschaft informiert.

DEUTLICH SINKENDE KINDERZAHLEN

Die demografische Entwicklung ist eindeutig: Während im Jahr 2019 noch 121 Kinder geboren wurden, waren es 2025 nur noch 71 Kinder. Dieser Rückgang um mehr als 40 Prozent wirkt sich zeitversetzt, aber spürbar auf die Auslastung der Kindertageseinrichtungen aus. Für den 01. September 2026 wird eine Auslastung der kommunalen zwischen 59 und 69 Prozent prognostiziert. Auch die Einrichtungen der freien Träger sind betroffen. Bereits im Zeitraum 2022 bis 2025 lag die durchschnittliche Auslastung der kommunalen Einrichtungen bei teilweise 65 Prozent – mit sinkender Tendenz.

HOHE BETRIEBSKOSTEN BEI GERINGER AUSLASTUNG

Die wirtschaftliche Analyse zeigt deutliche Unterschiede: Der derzeitige städtische Zuschuss pro Kita-Platz beträgt jährlich 5.075,51 Euro. Bei voller Auslastung würde dieser Wert bei 2.786,34 Euro liegen. Große Einrichtungen mit rund 100 Kindern arbeiten dabei deutlich wirtschaftlicher als kleine Standorte.

Durch den Geburtenrückgang sind rechnerisch etwa zwei Einrichtungen zu viel. Die daraus resultierende Mehrbelastung für den Haushalt liegt bei rund 300.000 Euro jährlich.

Am Beispiel eines Objektes zeigt sich ein mögliches Einsparpotenzial von rund 123.000 Euro pro Jahr. Die größten Kostenpositionen sind u. a. Reinigung (39.000 Euro), Hausmeister- und Bauhofleistungen (25.000 Euro), Energie- und Betriebskosten (27.000 Euro) sowie EDV- und Telefonkosten (6.600 Euro). Die Berechnungen basieren auf dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.

WARUM JETZT GEHANDELT WERDEN MUSS

Der Kitabereich ist einer der größten Ausgabenposten im städtischen Haushalt. Die derzeitige Struktur ist bei sinkenden Kinderzahlen dauerhaft nicht finanzierbar. Nicht zu handeln würde bedeuten, strukturelle Defizite weiter anwachsen zu lassen und damit langfristig die Handlungsfähigkeit der Stadt zu gefährden. Diese Entwicklung ist kein lokales Phänomen. Bundesweit sinken die Geburtenzahlen deutlich. Gleichzeitig steigen Personal-, Energie- und Sachkosten. Viele Kommunen stehen vor vergleichbaren Strukturentscheidungen im Bereich der frühkindlichen Bildung.

VERANTWORTUNG GEGENÜBER KINDERN, ELTERN UND FACHKRÄFTEN

Bei allen notwendigen wirtschaftlichen Überlegungen stehen Kindeswohl, pädagogische Qualität und Planungssicherheit für Familien und Beschäftigte im Mittelpunkt.

  • Kinder brauchen stabile Bindungen, verlässliche Strukturen und qualitativ hochwertige Betreuung.
  • Eltern benötigen Wahlfreiheit, unterschiedliche pädagogische Konzepte und verlässliche Betreuungszeiten.
  • Erzieherinnen und Erzieher verdienen sichere Arbeitsplätze, gute Rahmenbedingungen und transparente Entscheidungen.

Eine Anpassung der Kitalandschaft bedeutet nicht automatisch Qualitätsverlust – im Gegenteil: wirtschaftlich stabile Strukturen schaffen langfristige Sicherheit für Personal und pädagogische Arbeit. Ziel der Stadt ist es weiterhin eine verlässliche Betreuungslandschaft für Eltern und Kinder zu bieten.

Die Stadt erarbeitet derzeit mehrere Handlungsoptionen und wird mit dem Bildungsausschuss eng zusammenarbeiten.

Nächste Schritte

  • Gespräche mit freien Trägern
  • Abstimmungen mit dem Landkreis Dahme-Spreewald zur künftigen Bedarfsplanung
  • Prüfung konkrete Handlungsoptionen und deren Umsetzung
  • Transparente Information der Eltern und Mitarbeitenden

 
Die anstehenden Entscheidungen sind nicht einfach. Sie verlangen Abwägung, Dialogbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein. Klar ist jedoch: Die Stadt muss handeln, um dauerhaft tragfähige Strukturen zu sichern – im Interesse der Kinder, der Familien und der gesamten Stadtgemeinschaft.