Meilensteine zur Umgehungsstraße B87

Tausende Fahrzeuge rollen tagtäglich auf der B 87 durch Lübben. Die mit diesem hohen Verkehrsaufkommen verbundenen Abgas- und Lärmbelästigungen beeinträchtigen nicht nur die Wohn- und Lebensqualität der Bürger dieser Stadt, sie stellen auch eine Gefahr für den Status Lübbens als „Staatlich anerkannter Erholungsort“ dar.
Seit Jahren setzen sich daher Verwaltung, Stadtverordnete und viele Bürger für den Bau einer Ortsumgehung ein, durch die eine spürbare Entlastung des innerörtlichen Durchgangsverkehrs, vor allem vom Schwerlasttransport, erwartet wird. In dieser Rubrik finden Sie eine Reihe von Materialien (Beschlüsse und Veröffentlichungen), die wichtige Meinungen und Argumente der Stadt, der Stadtverordnetenversammlung und vieler Bürger für eine Ortsumfahrung verdeutlichen.

Auf der  Seite des Planungsbüros finden Sie aktuelle Informationen über den Stand der Planungen, den Arbeitskreis Umgehungsstraße und Kartenmaterial.

  • 19.11.2018 - Alternative zur Fleischerhakenvariante in Planung

    In die Planungen zur Ortsumgehung der B87 ist Bewegung gekommen. Wie das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung (MIL) im Projektbegleitenden Arbeitskreis in der vergangenen Woche mitteilte, werde nun aufgrund einer geplanten, aber noch nicht beschlossenen Änderung des neuen Landesentwicklungsplans (LEP-HR) die ortsfernere Variante geplant. Das MIL hatte zuvor die Planungsgesellschaft Deges mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt, die seit Anfang September vorliegt.

    Grundsätzlich sieht ein LEP Freiraumverbünde zum Schutz und zur Entwicklung hochwertiger Freiräume (z. B. Naturschutzgebiete, festgesetzte Überschwemmungsgebiete, Parklandschaften) vor. Diese sollen möglichst nicht zerschnitten werden. Der derzeit gültige LEP legt einen Freiraumverbund zwischen Duben und Neuendorf fest, der sich nördlich von Neuendorf ausstreckt. Dieser Freiraumverbund war bislang das Argument gegen eine ortsfernere Variante der Ortsumge-hung, die westlich von Neuendorf beginnt und in Richtung Norden und B115 an Lübben vorbeiführen - und damit den Verbund zerschneiden würde.

    Daher wurde bereits 2011 als Trassenführung die so genannte "Fleischhakenvariante" festgelegt, die zwischen Neuendorf und Lübben scharf westlich einbiegt, um anschließend nah an Lübben vorbei zur B115 zu führen. Im 2. Entwurf für den neuen LEP, der bis April 2018 öffentlich auslag und im kommenden Jahr beschlossen werden soll, ist der Freiraumverbund zwischen Neuendorf und Duben etwas kleiner gefasst: Er endet westlich von Neuendorf. Wenn der LEP so beschlossen wird, fällt also das Argument für den Fleischerhaken und gegen die ortsfernere Variante weg.

    Deshalb hat sich die Deges Planungsgesellschaft nach Abstimmung mit dem Ministerium nun aufgemacht, die ortsferne Variante weiter zu planen. Wie das Ministerium im Arbeitskreis weiter ausführte, besteht mit dieser Variante ein besseres Nutzen-Kosten-Verhältnis für die gesamte Maßnahme. Allerdings verzögern sich damit die Planungen um gut zwei Jahre. Das Planfeststellungsverfahren könne erst Anfang 2021 und nicht, wie zuletzt angenommen, Ende 2018 beginnen.

    Bürgermeister Lars Kolan begrüßte die neue Entwicklung. "Damit liegt die von der Stadt Lübben bevorzugte ortsferne Variante wieder auf dem Tisch", sagte er nach der Arbeitskreis-Sitzung. Sowohl die Verwaltung als auch die Bürgerinitiative Treppendorf, die das gesamte Vorhaben kritisch sieht, hätten erleichtert reagiert. "Dafür, dass wir nun hoffentlich eine Variante bekommen, für die es mehr Akzeptanz in der Bevölkerung gibt und die Treppendorf und vor allem Neuendorf entlastet, nehmen wir auch den Planungsverzug um zwei Jahre in Kauf", sagte Lars Kolan.

    Die Stadtverordneten hatten 2011 per Beschluss betont, dass sie die ortsferne Variante der Ortsumgehung bevorzugen, sich aber nicht gegen die damals festgelegte Fleischerhakenvariante ausgesprochen. Sie betonten die Wichtigkeit der Ortsumfahrung gerade für den Status Lübbens als "Staatlich anerkannter Erholungsort".

  • 17.09.2018 - Petitionsausschuss des Bundestages vor Ort in Treppendorf

    Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages hat am 17. September Lübben besucht, um sich vor Ort ein Bild von der geplanten Trassenführung der Umgehungsstraße B87 zu machen und mit der Bürgerinitiative aus Treppendorf zu sprechen. Rund 11.500 Petitionen bearbeitet der Ausschuss jährlich, und nur für 3 bis 4 Petitionen reist der an den Ort des Geschehens.

    Ein Vertreter der Bürgerinitiative hatte im Mai 2014 eine Petition eingereicht, in der er, gemeinsam mit 280 Unterzeichnern, fordert, auf den geplanten Bau der Bundesstraße 87n als Ortsumgehung Lübben zu verzichten und stattdessen eine ortsferne Variante zu bauen (siehe unten). Unter der Leitung des Ausschussvorsitzenden Marian Wendt (CDU/CSU) kamen die Ausschussmitglieder Norbert Müller (Partei Die Linke) und Stephan Kühn (Bündnis 90/Grüne) nach Lübben, sie wurden von Vertreterinnen und Vertretern des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), der Straßenbauverwaltung des Landes Brandenburg (Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung), von Bürgermeister Lars Kolan und vom Petenten begleitet.

    Vor Ort in Treppendorf wurden sie von mehr als 100 Treppendorfern empfangen, die auf Schildern ihren Protest zum Ausdruck brachten. Thomas Liebsch als Kopf der Bürgerinitiative stellte fest, dass zum ersten Mal seit 16 Jahren Bundespolitiker nach Treppendorf gekommen seien, um mit den Betroffenen zu sprechen und zu schauen, wie die Trasse verläuft. Es zeigte sich, dass die Vorstellungen der Bürger über den Trassenverlauf nicht den tatsächlichen Planungen entsprachen.

    Thomas Liebsch betonte, dass nicht eine Variante der Ortsumgehung gegen die andere ausgespielt werden solle, sondern zu prüfen ist, ob die Varianten in einem rechtmäßigen Verfahren gegeneinander abgewogen worden seien. "Wir lassen uns nicht irgendetwas vorsetzen, ohne dass Alternativen geprüft worden", sagte er. Im folgenden Gespräch wurden verschiedene Einzelheiten, etwa das geplante Abschneiden des Kimpernweges vom dahinterliegenden Wald und naturschutzfachliche Belange, diskutiert. Thomas Fischer vom Naturschutzbund kritisierte, dass der innerörtliche Ausbau der B87 als mögliche Alternative zur Umgehungsstraße ins Stocken geraten sei. Aufgrund der Planungen, die nach Meinung der Bürgerinitiative rechtswidrig seien, seien lange Klagewege zu erwarten, sagte er.

    1992 hätten mehrere Varianten zur Wahl gestanden, erläuterte Thomas Liebsch weiter: eine Südumfahrung, die jetzige Nordumfahrung und die so genannte 0-Variante mit dem innerörtlichen Ausbau für einen verbesserten Verkehrsfluss. Doch dann sei 2002 nur noch eine Variante, nämlich die Nordumfahrung mit einer ortsnäheren und ortsferneren Alternative, Inhalt des Raumordnungsverfahrens gewesen. Schließlich sei im Basta-Verfahren die ortsnahe, die so genannte Fleischerhaken-Variante, beschlossen worden. Diese "Altfehler", so Thomas Liebsch, gehörten aufgearbeitet. Der Ausschussvorsitzende Marian Wendt versprach den Anwesenden zu prüfen, ob alle Verfahrensschritte rechtmäßig verlaufen sind und alle Interessen abgewogen worden seien. Der Ausschuss werde auflisten lassen, wann welche Prüfungen durchgeführt wurden. In der Gesprächsrunde im Rathaus wurde ein Grafik mit allen Varianten gezeigt, nach der die Nordvariante als die am wenigsten problembehaftete dargestellt wurde.

    "Wir können heute hier nicht Ja oder Nein zur Ortsumgehung sagen", betonte Wendt. Schließlich gebe es bei einer Ortsumfahrung auch Befürworter, also Menschen, die von der Maßnahme profitieren. Darüber hinaus sei es Aufgabe des Bundestages, überörtliche Interessen abzuwägen, etwa den Katastrophen- und Brandschutz. "Wir müssen den Fokus auf alle Aspekte legen, während sich der Bürger vor Ort um seine Interessen kümmert", erklärte Marian Wendt. Häufig entstehe Unmut nicht zuerst aus einer konkreten Sachlage heraus, so die Erfahrung des Petitionsausschusses, sondern aus einer unzureichenden Kommunikation. "Wir als Ausschuss wollen Öl ins Getriebe zwischen Verwaltungen und Bürgern schütten", sagte er.

    In Bezug auf den Kosten-Nutzen-Faktor des Vorhabens, der mit 1,7 nicht besonders hoch liegt, verwies der Ausschussvorsitzende darauf, dass es etwa in puncto Sicherheit nicht nur um Effizienz gehen könne. Auch die Abwägung, wie wichtig solche infrastrukturellen Maßnahmen für die regionale, also ländliche Entwicklung seien, gehöre dazu. Dennoch müsse man sich der Frage annehmen, wie der Kostenrahmen optimiert werden kann. Dass bereits jetzt schon hohe Kosten für die Planung angefallen seien, gehöre dabei ebenfalls abgewogen, ergänzte er.

    Schließlich kam Jürgen Lüth von der Bürgerinitiative Pro B87 zu Wort. Er stellte fest, "dass wir alle im selben Boot sitzen". "Wir wollen eine Ortsumfahrung, die Frage ist, wie." Die Argumente der Treppendorfer Bürgerinitiative seien gehört worden, es habe viele Zugeständnisse gegeben. Dennoch heiße es, sich die Realität vor Augen zu führen: 14.000 Fahrzeuge passieren täglich die Stadt, davon 10 Prozent Schwerlasttransporter. Die B87 müsse im regionalen Verbund zwischen Leipzig und Frankfurt / Oder betrachtet werden. Jürgen Lüth verwies darauf, dass die Initiative Pro B87 2016 ebenfalls eine Petition verfasst habe, alle politischen Kräfte hätten sich seitdem zur Ortsumgehung bekannt.

    Bürgermeister Lars Kolan dankte den Mitgliedern des Petitionsausschusses, dass sie sich die Zeit für Lübben genommen haben. Für ihn sei klar, dass die angekündigte Überprüfung der Variantenfestlegung viel zur Befriedung zum Thema Ortsumgehung beitragen werde. Er regte an, nochmals das Thema Freiraumverbund zu prüfen - das letztlich den Ausschlag für die nun so heftig kritisierte Fleischerhaken-Variante gegeben hatte. Hochwertige Freiräume dürfen nicht durch Infrastruktur zerschnitten werden - ob das wirklich auf das durch weitere Leitungen zerschnitte Gebiet vor Neuendorf zutreffe, sei fraglich. Lars Kolan drückte seine Wertschätzung dafür aus, mit welcher Inbrunst sich die Bürgerinitiativen für ihre Belange einsetzten. "Das spricht für sie", sagte er.

    Marian Wendt dankte als Ausschussvorsitzender allen Anwesenden dafür, dass an diesem Tag der Fokus auf gemeinsamen Zielen lag. "Die Ortsumfahrung sollte nicht zum Spaltpilz dieser Stadt werden", sagte er. Sie müsse allen Menschen zwischen Leipzig und Frankfurt / Oder dienen, da sei Lübben nur ein Baustein.

    Der Petitionsausschuss gibt den Inhalt der eingereichten Petition wie folgt wieder:


    Der Stadtteil Treppendorf werde durch die geplante Variante von drei Seiten eingekesselt, beschreibt der Petent die Planung. Die Lebensqualität der Einwohnerinnen und Einwohner werde durch Lärm-und Abgase in einem Ausmaß belastet, das nicht hinnehmbar sei. Diese Einschätzung werde durch ein Gutachten des brandenburgischen Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung gestützt: Darin werde ebenfalls eine ortsferne Variante bevorzugt.

    Außerdem belege das Gutachten, dass die Verkehrsprobleme von Lübben durch die bisherige Planung nicht gelöst würden. Der Petent bemängelt, dass die Alternativen einer ortsfernen Variante nicht oder nur unzureichend geprüft worden seien, da die Auftragsverwaltung des Landes Brandenburg die Einsichtnahme in die Unterlagen verweigert
    habe.

    Auch die Verbände BUND und NABU hätten Alternativen vorgelegt, heißt es in der Petition. Das BMVI solle die Projektbewertung stoppen, solange nicht klar sei, ob
    die Alternativen geprüft worden seien. Die Ergebnisse der Prüfung sollten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, sobald sie vorliegen, wird vom Petenten verlangt.

  • 14.07.2017 - Projektbegleitender Arbeitskreis tagte

    Für die Ortsumgehung der B87 in Lübben (Spreewald) / Lubin (Blota) kann voraussichtlich im Jahr 2018 mit dem Planfeststellungsverfahren begonnen werden. Das berichtete Egbert Neumann, Abteilungsleiter Verkehr beim Brandenburgischen Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung (MIL), vor dem projektbegleitenden Arbeitskreis. Die Planungen würden derzeit dem Bundesverkehrsministerium vorliegen, nach Erteilung des Gesehen-Vermerks könne mit der weiteren Baurechtsbeschaffung begonnen werden.

    Der Arbeitskreis, dem Vertreter der Bürger, des Landkreises, der Städte und Gemeinden, der regionalen Wirtschafts- und Umweltverbände sowie des Tourismus und der Umweltverwaltung angehören, tagte nach gut zweijähriger Pause Anfang Juli im Lübbener Rathaus. Ziel dieses Gremiums ist es, schreibt die beauftragte Planungsgesellschaft Deges auf ihrer Homepage, durch frühzeitige Einbeziehung der Region Transparenz in den Planungsprozessen herzustellen.

    Dadurch "sollen die Perspektiven der verschiedenen Akteure sichtbar werden. Nur so besteht die Chance, Konfliktmuster zu durchbrechen und kreative Lösungen im Sinne der Projektrealisierung mit hoher Akzeptanz in der Region zu schaffen."
    Sein Ministerium habe, berichtete Egbert Neumann während der Sitzung weiter, bei der Fortschreibung des Fernstraßenbedarfsplans des Bundes darum gerungen, dass die rund 10 km lange Ortsumfahrung Bestandteil bleibt. Nun sei eine Stufe erreicht, von der aus man weiter planen könne: Die derzeitige Kategorie des Projektes ist mit "weiterer Bedarf mit Planungsrecht" benannt. Alle Projekte mit Planungsreife würden realisiert - das sei die Aussage des Bundes, berichtete Egbert Neumann. Die Ortsumfahrung sei ein Kernprojekt für den Strukturwandel in der Lausitz und für einen wichtigen Wirtschaftsbereich, den Tourismus.

    Die Dringlichkeit der Ortsumfahrung für Lübben unterstrich Bürgermeister Lars Kolan mit einer Verkehrszählung vom September 2016. Danach passieren täglich durchschnittlich 13.716 Fahrzeuge (inkl. LKW) das Nadelöhr Lübben. Das bedeutet, dass alle 1,6 Sekunden ein Fahrzeug die B87 am gemessenen Punkt (Lindenstraße) durchfährt. Dabei fahren täglich durchschnittlich 1.618 Lastkraftwagen (schwerer als 2,8 t) über den Lübbener Teil der B87.

    Die Planungsgesellschaft Deges stellte die Neuerungen bei der Trassenführung sowie die Ergebnisse zahlreicher Prüfungen und Untersuchungen zu Lärm- und Umweltschutz vor. Der projektbegleitende Arbeitskreis habe dabei enorm geholfen, sagte der zuständige Deges-Mitarbeiter. Es seien Hinweise von allen Seiten eingegangen, von denen viele berücksichtigt werden konnten. Deswegen hätten die Planungen aber auch mehr Zeit in Anspruch genommen.
    An der Planung der Trasse hat sich nicht viel geändert, sie ist detaillierter geworden, etwa im Hinblick auf die Einrichtung von Überholstreifen oder bei Betrachtung der Belange Lärmschutz und Landschaftsbild. So sei man mit der Trasse so weit wie möglich vom Ortsteil Treppendorf weggerückt und plane die Straße in bestimmten Streckenbereichen als Einschnitt in die Landschaft. Die Spree werde auf einer möglichst kurzen Strecke gequert, erklärte der Deges-Mitarbeiter. Einige bisher geplante Brücken entfallen, die früheren Wegebeziehungen werden durch andere Wege (ggf. mit kleinem Umweg) ersetzt und nicht einfach gekappt. Pro weggefallener Brücke werden 600.000 Euro gespart.

    Nicht zuletzt durch den Einschnitt-Charakter bleibe der Lärmschutz in Treppendorf nach Planungen der Deges gewahrt, Lärmschutzwände werden nicht erforderlich sein, da die üblichen Grenzwerte nicht überschritten werden. So würden am Kimpernweg, dem der Trasse am nächsten gelegenen Punkt, 48 Dezibel nachts und 54 Dezibel tagsüber erreicht (Grenzwerte bei 49/59). Darin sind noch keine lärmschutzmindernden Straßenbeläge berücksichtigt, die alle Ergebnisse nochmals um 2 Dezibel reduzieren. Das Umweltschutzkonzept, für das viele Gebiete wie Natura 2000-Gebiete, Vogelschutzgebiete und FFH-Gebiete zu betrachten waren sieht u.a. Kollisionsschutzgebiete, Schadensbegrenzungsmaßnahmen, Bauzeitenregelungen und Bautabuzonen vor. Die Querung der Trasse für Tiere wird ermöglicht, sodass eine Trennung von Populationen verhindert wird. Die ursprüngliche Trassenführung hätte das Schutzgebiet Lehnigksberg gequert, das wurde jedoch dank der Unterstützung des Naturschutzbundes im Arbeitskreis und einer Vor-Ort-Begehung korrigiert. Die Artenschutzbetrachtung für das Projekt ist 650 Seiten lang, untersucht wurden 145 Tierarten. Durch Vermeidungs- und vorgezogenen Artenschutzmaßnahmen werden artenschutzrechtliche Konflikte vermieden. So soll es für Fledermäuse Faunabrücken geben, für Amphibien Durchlässe und Ersatz-Habitate.

    Der Darstellung des aktuellen Planungsstandes war eine Debatte über das Ziel des Arbeitskreises vorangegangen. Gegner der Ortsumfahrung hatten Planungsdetails infrage gestellt und erneut eine "Nullvariante", also einen Verzicht auf die Ortsumgehung, bzw. einen Ausbau der Ortsdurchfahrt z.B. mit einem Tunnel am Bahnübergang und mehr Kreisverkehren ins Gespräch gebracht. Als Argumente nannten sie die zu befürchtenden Beeinträchtigungen sowohl für Anwohner als auch für die Natur, die zu erwartenden Kosten sowie den dennoch in der Stadt verbleibenden Ziel- und Quellverkehr.
    Man solle, müsse und dürfe in diesem Arbeitskreis die Frage stellen, ob dieses Bauvorhaben sinnvoll ist und in welchem Umfang und welcher Ausführung, lautete eine Auffassung der Kritiker der Ortsumfahrung. Der Arbeitskreis wurde jedoch, erwiderte Egbert Neumann vom MIL, gebildet, um den Bau der Ortsumfahrung zu begleiten und Details zu besprechen - nicht, um sie zu verhindern. Die Diskussion ob oder ob nicht, sollte nicht mehr geführt werden - es gebe einen klaren Planungsauftrag. Die IHK-Vertreterin verwies darauf, dass nicht nur Anwohner, sondern auch zahlreiche Unternehmen von der Frage, ob die Umgehung gebaut wird oder nicht, betroffen seien. Sie warteten dringend auf den Baustart und hätten kein Verständnis dafür, dass die Planungen so lange dauern.

    Unverständnis äußerten die Vertreter aus Treppendorf darüber hinaus, dass geplante Brücken nun auch noch wegfallen sollen. Veränderte Wegebeziehungen, auch wenn Wege nicht komplett abgeschnitten werden, könnten zu noch weniger Akzeptanz bei den betroffenen Bürgern führen, warnten sie. Die Vertreter der Bürgerinitiative äußerten abschließend ihre Enttäuschung darüber, dass sie nicht früh genug an der Diskussion um Alternativen beteiligt worden seien. Ihnen wurde durch die anwesenden Ministeriums- und Verwaltungsmitarbeiter entgegnet, dass im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens jedoch alle Bürger, die betroffen sind, ihre Bedenken äußern könnten. Auch im vorangeschalteten Raumordnungsverfahren konnte sich jeder Bürger äußern.


    Der Nabu-Kreisverband Spreewald und die Bürgerinitiative Lübben-Treppendorf hatten im Frühjahr in einem offenen Brief ihre Bedenken gegen die Ortsumgehung mit einer bautechnischen Stellungnahme untermauert. Die zu errichtenden Brücken und Dämme, die zu bewegenden Erdmassen und das während der Bauzeit abzusenkende Grundwasser - all das mache deutlich, so die Verfasser des Schreibens, "welche gewaltigen Eingriffe in das unmittelbare Umfeld der Spreewald-Stadt Lübben erfolgen würden, auch mit negativen Folgen für ihre touristische Attraktivität und Eingriffen in das Biosphärenreservat Spreewald". Die Verfasser plädieren deshalb für einen verstärkten Ausbau der innerörtlichen Verkehrswege und einen Verzicht auf die Ortsumgehung.

    Die Präambel des Arbeitskreises bietet einen Überblick über die Positionen seiner Mitglieder:

    Die Stadt Lübben hält die B 87n für ein wichtiges Projekt zur Entlastung der Innenstadt vom Schwerlastverkehr, deshalb wird die konstruktive Mitarbeit im projektbegleitenden Arbeitskreis auch zukünftig sichergestellt. Es wird zwar eine Trasse durch den im Landesentwicklungsplan Berlin-Brandenburg (LEB B-B) festgelegten Freiraumverbund favorisiert, allerdings ist diese gemäß der gegenwärtigen Sachlage ausgeschlossen.
    Die Industrie- und Handelskammer Cottbus und die Bürgerinititative (BI) "Pro Umgehungsstraße B 87" positionieren sich ganz klar für den Bau der Ortsumgehung.
    Die BI Treppendorf lehnt die linienbestätigte Trasse ab. Bevorzugt wird eine Trasse, die bereits südlich von Neuendorf beginnt und durch den Freiraumverbund gemäß LEP B-B führt. Grundsätzlich wird seitens der BI Treppendorf jedoch ohnehin keine Notwendigkeit für eine weiträumige Ortsumgehung gesehen.
    Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) lehnt das Vorhaben insgesamt ab. Stattdessen wird weiterhin die Prüfung der Alternativen (der Nullvariante, der Null-PLUS- und einer Tunnelvariante) gefordert.
    Die Planungen für die Ortsumgehung B87, Visualisierungen der erwarteten Folgen für das Landschaftsbild und Protokolle der Arbeitskreis-Sitzungen sind hier abzurufen. Im Bundesverkehrswegeplan ist das Projekt mit Einsicht in die Alternativenprüfung, in Kosten-Nutzen-Rechnungen, Umwelt- und sonstige Prüfungen hier hinterlegt.

  • 11.05.2016 - Bundesverkehrswegeplan kategorisiert Umgehungsstraße mit "weiterer Bedarf"

    Die Ortsumfahrung Lübben zur B 87 ist im Bundesverkehrswegeplan, der im März durch das Bundesverkehrsministerium vorgestellt wurde, lediglich in die Kategorisierung "weiterer Bedarf" eingestuft worden. Darüber hatte Bürgermeister Lars Kolan die Stadtverordneten in ihrer jüngsten Sitzung informiert und angekündigt, sich in dem bis zum 2. Mai laufenden Beteiligungsverfahren für eine höhere Kategorisierung als sogenannter "vordringlicher Bedarf" einzusetzen - gemeinsam mit allen Befürwortern der Ortsumfahrung, so der Landtagsabgeordneten und Vorsitzenden des Tourismusvereins Lübben (Spreewald) und Umgebung e.V., Sylvia Lehmann, der Bürgerinitiative "Pro Umgehungsstraße Lübben", der Interessengemeinschaft "Wir für Lübben" und der Industrie- und Handelskammer Cottbus.
    Alle Bürger, die sich gegenüber dem Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur ebenfalls für eine Höherstufung der Ortsumgehung im Bundesverkehrswegeplan aussprechen möchten, finden nachstehend einen Musterbrief an Minister Alexander Dobrindt. In diesem heißt es unter anderem:
    "Der Spreewald ist eine Kulturlandschaft und ein Tourismusschwerpunkt. Lübben im Zentrum des Spreewaldes ist von den steigenden innerstädtischen Verkehrsaufkommen, speziell durch wachsenden LKW-Verkehr belastet.
    Das hohe Verkehrsaufkommen wie auch der in diesem Abschnitt außergewöhnlich große Anteil an Schwerlastverkehr gefährden u. a. den Status der Stadt Lübben als Erholungsort. Ohne entsprechende Maßnahmen drohen dem Tourismusstandort dauerhaft negative Auswirkungen.
    Die B 87n - Ortsumfahrung Lübben würde zu einer wesentlichen Entlastung vom Durchgangsverkehr führen. Die überregionale und regionale Erreichbarkeit wird verbessert, eine Fahrzeitverkürzung erzielt und die Anbindung der B 87 an die Autobahn A 13 erleichtert. Die Stadt Lübben stellt ein Nadelöhr dar, die keine weitere Spreequerung in einem Umkreis von ca. 50 Kilometer Umkreis zulässt.
    Die Stadtverordnetenversammlung aus Lübben appellierte am 25. August 2011 und zuletzt am 24. September 2015 gemeinsam für den Bau der Ortsumfahrung Lübben und für die schnelle Fortführung der Planung."


  • 04.08.2011 - Ortsnahe Variante der Umgehungsstraße von Minister Jörg Vogelsänger weiter favorisiert

    Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger hält bei der Planung der Ortsumgehung Lübben an der ortsnäheren "Fleischerhakenvariante" fest, heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums. Auf die etwas ortsfernere Variante, die geschützte Gebiete durchschneidet und eigentlich daher ausscheidet, soll nur dann zurückgegriffen werden, wenn zum Beispiel die noch anstehenden vertiefenden naturschutzfachlichen Untersuchungen auch für die ortsnahe Variante Probleme bringen. Das ist das Ergebnis eines Gespräches heute im Ministerium mit Landrat Stephan Loge, dem Lübbener Bürgermeister Lothar Bretterbauer und der Vorsitzenden des Tourismusvereines, Sylvia Lehmann.

    Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger: "Wir dürfen hier nicht rumeiern, wenn wir in absehbarer Zeit bauen wollen. Die Fleischerhakenvariante ist planerisch voraussichtlich die einzig machbare und wird daher weiter verfolgt. Die andere Variante zerschneidet geschützte Gebiete des Freiraumverbundes und würde den Zielen des Landesentwicklungsplans entgegenstehen. Ich bin aber bereit, die Möglichkeiten der ortsfernen Variante nochmals prüfen zu lassen, wenn sich im weiteren Verlauf der Planung bei der Umweltverträglichkeitsprüfung die ortsnahe Variante als nicht realisierbar herausstellen sollte."

    Durch eine Änderung des Landesentwicklungsplanes wurde die ursprünglich favorisierte Trassenführung problematisch. Die Straße sollte zunächst bereits vor Neuendorf nach Norden schwenken und westlich um Lübben herumgeführt werden, um bei Treppendorf die B 115 zu kreuzen und dann nach Osten zu gehen und nördlich von Lübben wieder die B 87 zu erreichen. Am Beginn der Trasse im Süden sieht die Landesplanung aber einen Freiraumverbund vor, der nicht zerschnitten werden darf, wenn es andere Möglichkeiten gibt.

    Diese Alternative stellt die so genannte "Fleischerhakenvariante" dar. Sie beginnt von Luckau kommend hinter Neuendorf und führt etwas enger an der Ortslage Lübben vorbei. Südlich Treppendorf trifft sie wieder auf die Linie der Ursprungsvariante und verläuft dann genau wie sie weiter. Eine Zerschneidung geschützter Gebiete wird vermieden. Nach Aussage der Gemeinsamen Landesplanungsabteilung der Länder Berlin und Brandenburg (GL) kann die Ausnahmeregelung des Landesentwicklungsplanes nicht in Anspruch genommen werden, da mit der Fleischerhakenvariante zum gegenwärtigen Stand eine machbare Alternative vorhanden ist.

    Das Land wird die Linie nach Abstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium bestätigen. Zur Abstimmung wird das Ministerium die Unterlagen voraussichtlich noch 2011 beim Bund einreichen. Auf dieser Basis wird der Landesbetrieb Straßenwesen mit der Entwurfsplanung beauftragt. Sollten sich im Verlauf der Untersuchungen zum straßenbautechnischen Entwurf mit den vertiefenden naturschutzfachlichen Untersuchungen herausstellen, dass diese Variante zum Beispiel aus artenschutzrechtlichen Gründen nicht durchsetzbar ist und daher eine Alternativenprüfung durchzuführen ist, wird auf die ortsferne Variante zurückgegriffen.

  • 17.03.2011 - Verkehrsminister bekennt sich zur Umgehungsstraße

    Während eines Arbeitstreffens zu Verkehrsinfrastrukturfragen mit politischen Vertretern der Planungsregion Lausitz-Spreewald in Lübben, bekräftigte Minister Jörg Vogelsänger seine Prioritäten für den Ausbau der Bundesfernstraße im Süden des Landes. Die südliche Leipzig-Lausitz-Trasse wird aus seiner Sicht eine "leistungsstarke Ost-West-Verbindung, die überregionale Verkehre bewältigt und die vorhandenen Wirtschaftsstandorte der Region stärkt".
    Hinsichtlich der Ortsumfahrung Lübben, betonte der Minister:" Ich stehe zur dringend notwendigen Entlastung der Lübbener Innenstadt. Der Status als anerkannter Erholungsort im Spreewald darf nicht aufs Spiel gesetzt werden". Die Ortsumfahrung stehe daher für ihn ganz oben auf der Prioritätenliste für die südliche Planungsregion. Er informierte darüber, dass die Planungen mittlerweile soweit fortgeschritten seien, dass man sich auf eine bevorzugte Linienführung verständigt habe, der zu Folge der Beginn der Umgehungsstraße westlich zwischen Lübben und Neuendorf liege. Die Linienführung wird nun dem Bundesverkehrsministerium zur Zustimmung vorgelegt, die wiederum Voraussetzung für eine detaillierte Entwurfsplanung sowie für die notwendigen Umweltuntersuchungen ist.
    Bürgermeister Lothar Bretterbauer wertete die Entscheidung als wichtige Grundlage, auf der man aufbauen könne und als ersten Schritt für die Verbesserung der verkehrlichen Situation in der Stadt. Bis zur Realisierung der Umgehungsstraße wird jedoch wohl noch geraume Zeit vergehen, denn es sind noch weitere Untersuchungen notwendig, so zur Flora und Fauna, bevor das Raumordnungsverfahren beginnen kann.

  • Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung
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