Die Lübbener Postdistanzsäulen – 290 Jahre
Im Jahr 2026 feiern die Lübbener Postdistanzsäulen ihr 290-jähriges Bestehen – ein bedeutender Meilenstein in der sächsischen Verkehrsgeschichte. Bereits 1736 wurden die ersten Säulen aufgestellt, die offizielle Entfernungen zu wichtigen Städten wie Görlitz, Breslau, Warschau, Prag, Frankfurt (Oder), Danzig und Sorau markierten. Sie waren weit mehr als Wegweiser: Die Säulen symbolisierten den wachsenden Fernverkehr und Lübbens Verbindung zu den Handels- und Postrouten Europas.
Die Standorte legte Adam Friedrich Zürner, Grenzkommissarius unter August dem Starken, persönlich fest. Zwei markante Exemplare standen an den Stadttoren:
- Luckauer Tor: Entfernungen u.a. nach Görlitz, Breslau und Prag.
- Spreetor / Hirsewinkel: Entfernungen u.a. nach Frankfurt (Oder), Cüstrin, Danzig und Sorau.
Die eingemeißelten „Stunden“ – 1 St = 4,531 km – sind keine Zeitangaben, sondern alte sächsische Entfernungsmaße. Ursprünglich dienten die Säulen den Postkutschenfahrern zur Orientierung, doch auch Bürger und Händler nutzten sie zur Reise- und Transportplanung.
Im Laufe der Jahrhunderte erlebten die Säulen zahlreiche Veränderungen:
- Die zweite Säule an der Gubener Straße/Hirsewinkel verschwand aus unbekannten Gründen.
- Der Sockel der entfernten Säule dient seit 1854 als Denkmal für die Sagenfigur „Liuba“ im Hain.
- Die Luckauer-Tor-Säule wurde 1843 aus verkehrstechnischen Gründen an das Haintor versetzt.
- Restaurierungen und Kopien sicherten das historische Erbe: 1953 farblich erneuert, 1966 als Kopie in der Fußgängerzone aufgestellt, 1983 rekonstruiert, nach dem Säulensturz 1998 (ein LKW-Fahrer zerstörte aus Versehen die Säule) durch Steinmetzmeister Willi Weber wiederhergestellt und 1999 beim ersten Postsäulenfest feierlich eingeweiht.
Heute steht die Postdistanzsäule als Denkmal der Kommunikation und Mobilität des 18. Jahrhunderts. Sie erinnert an die Zeit der Postkutschen, die Entstehung der modernen Fernstraßen und die sorgfältige Planung des sächsischen Postwesens. Jede Säule ist ein Stück gelebte Geschichte, das Lübbens Rolle als Knotenpunkt zwischen Städten und Regionen verdeutlicht.
BREITE STRASSE: HISTORIE TRIFFT MODERNE
Nach umfangreicher Neugestaltung wurde die Breite Straße am 03. Mai 2003 im Rahmen des traditionellen Postsäulenfestes feierlich eingeweiht. Mittelpunkt bildet die originalgetreue Nachbildung der Postdistanzsäule von 1736, die Besucherinnen und Besuchern heute einen Einblick in die Reiseziele und Reisezeiten der damaligen Postkutschen gibt.
Mit einem Investitionsaufwand von rund 935.000 Euro – ein Großteil durch Landesfördermittel gesichert – wurde die Straße zu einem attraktiven Einkaufsboulevard umgestaltet: breite Gehwege, schattenspendende Ahornbäume, bequeme Bänke, die „längste Bank“ Lübbens, eine Kombination aus alten Lampen und modernen Lichtstelen sowie eine historische Wasserdruckpumpe schaffen ein harmonisches Zusammenspiel von Geschichte und zeitgemäßer Stadtkultur.
Bei einem bunten Programm feierten große und kleine Lübbenerinnen und Lübbener die Fertigstellung – ein würdiger Rahmen für die interessante Geschichte der Postdistanzsäule, die bis heute Orientierung und Identität im öffentlichen Raum bietet.














