Die Planung der Ortsumgehung Lübben (B 87n) wird aufgrund grenzwertiger Wirtschaftlichkeit, deutlich gestiegener Kosten von rund 140 Millionen Euro sowie erheblicher Umweltauswirkungen – insbesondere im Biosphärenreservat Spreewald – zunächst nicht weitergeführt. Die Stadt Lübben (Spreewald)/Lubin (Błota) sieht dennoch Handlungsbedarf zur Entlastung der Innenstadt und fordert tragfähige, wirtschaftlich vertretbare und umweltverträgliche Alternativen.
Im Rahmen des 8. projektbegleitenden Arbeitskreises am 11. Februar im Rathaus Lübben informierten das Bundesministerium für Verkehr sowie das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, die Planung der Ortsumgehung Lübben im Zuge der Bundesstraße B 87n zunächst nicht weiterzuführen. Der aktuelle Projektstand wurde im Arbeitskreis durch die zuständigen Akteure vorgestellt. Grundlage der Entscheidung ist die durch die Bund/Länder-Projektgesellschaft DEGES im Auftrag des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung erarbeitete Vorentwurfsplanung einschließlich einer verkehrswirtschaftlichen Bewertung.
BEEINFLUSSENDE FAKTOREN
Im Ergebnis wird die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens angesichts erheblich gestiegener Projektkosten als grenzwertig eingeschätzt. Der Projektnutzen – insbesondere hinsichtlich Reisezeitverkürzungen, Verkehrssicherheit und Betriebskosten – übersteigt die derzeit veranschlagten Gesamtkosten von rund 140 Millionen Euro nur geringfügig. Zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit wurden verschiedene technische Anpassungen geprüft und in die Planung eingearbeitet. Dazu zählen unter anderem eine angepasste Trassenführung im Bereich der Spreeaue zur Reduzierung von Erdarbeiten in wenig tragfähigem Baugrund, die Verringerung von Bauwerksabmessungen sowie der Verzicht auf Wirtschaftswegebrücken durch eine Anpassung des rückwärtigen Wegenetzes. Mit diesen Änderungen gelten die Optimierungspotenziale als ausgeschöpft.
Ein weiterer maßgeblicher Faktor für die Entscheidung sind die zu erwartenden Umweltbeeinträchtigungen, insbesondere Eingriffe in das Biosphärenreservat Spreewald. Zudem wurde berücksichtigt, dass in den vergangenen Jahren bereits erhebliche Investitionen in den Ausbau der innerörtlichen Straßeninfrastruktur und die Verbesserung der Verkehrssituation in Lübben erfolgt sind. Nach Einschätzung des Landes ist der Bedarf für eine Ortsumgehung rückläufig. Die freiwerdenden Planungsmittel sollen anderen Infrastrukturprojekten im Land Brandenburg zugutekommen.
STÄDTISCHER VERKEHRSFLUSS WEITER IN DISKUSSION
Parallel prüft der Landesbetrieb Straßenwesen weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur in den Ortsdurchfahrten von Lübben, wie z. B. den grundhaften Ausbau der B115.
Bürgermeister Jens Richter erklärt: „Im Rahmen des 8. projektbegleitenden Arbeitskreises im Rathaus Lübben wurde gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr und dem Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung entschieden, die Planung der Ortsumgehung Lübben im Zuge der Bundesstraße B 87n zunächst nicht weiterzuführen. Einfluss auf die Entscheidung hatten die wirtschaftliche Betrachtung des Vorhabens sowie die zu erwartenden Umweltbeeinträchtigungen. Die Diskussion um die geplante Ortsumgehung begleitet unsere Stadtgesellschaft seit vielen Jahren. Unser zentrales Problem bleibt jedoch bestehen – und wird sich mit der geplanten erhöhten Taktung im Regionalverkehr weiter verschärfen: Wir wollen den innerstädtischen Verkehrsfluss verbessern und die Belastungen für unsere Bürgerinnen und Bürger spürbar reduzieren. Dafür braucht es jetzt einen konstruktiven Dialog zwischen Stadt und Land, um gemeinsam tragfähige und nachhaltige Alternativen zu entwickeln. Lübben braucht Lösungen, die wirtschaftlich vertretbar sind und zugleich unsere einzigartige Landschaft bewahren.“
Die Stadt Lübben wird sich weiterhin aktiv in die Abstimmungen mit dem Land Brandenburg einbringen, um konkrete und realisierbare Maßnahmen zur Entlastung der Innenstadt zu erarbeiten. Ziel bleibt es, Verkehrssicherheit, Lebensqualität und Umweltbelange in Einklang zu bringen.





