GESCHICHTE VON SCHLOSS & MUSEUM SCHLOSS LÜBBEN


Das Schloss Lübben – ein Ort, an dem Stadtgeschichte Gestalt annimmt

Das Schloss Lübben gehört zu den ältesten und bedeutendsten Bauwerken der Stadt. Seine Wurzeln reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, als an dieser Stelle eine von einem Wassergraben umgebene Wehranlage stand. Von hier aus kontrollierte man die Spreeübergänge, die für Handel und Verkehr zwischen Ober- und Unterspreewald entscheidend waren. Die Lage auf einem Schwemmsandhügel machte Lübben früh zu einem Knotenpunkt, an dem sich Handelswege kreuzten und Verwaltungssitze etablierten.

Seit dem Mittelalter war Lübben ein wichtiger Verwaltungssitz der Burggrafen und Landvögte. 1561 wird erstmals von einem „Schloss“ gesprochen. Seine heutige Gestalt erhielt das Gebäude zwischen 1769 und 1682 – ein Umbau, der Renaissance-Elemente mit wehrhaften Strukturen verbindet. Besonders markant sind der fein gegliederte Renaissancegiebel und der mächtige Wehrturm mit bis zu 2,5 Meter starken Mauern, der über einen gewölbten Gang mit dem Schloss verbunden ist.

Über dem Turmeingang finden sich zwei eingemeißelte Jahreszahlen: „932 Liubusua“ und „1815 Wien“. Während die erste auf eine sagenhafte slawische Burg verweist, erinnert die zweite an den Wiener Kongress, der die Niederlausitz von Sachsen zu Brandenburg-Preußen überführte. Damit verlor Lübben seine Rolle als Hauptstadt des Markgraftums Niederlausitz, blieb jedoch bis heute Kreissitz.

Ein herausragendes Zeugnis der regionalen Geschichte ist der prachtvolle Wappensaal im Schlossturm. Hier huldigten einst die Niederlausitzer Stände dem Herzog. Der Saal wird von einem monumentalen Wandgemälde des Malers August Oetken dominiert, das die Begrüßung des brandenburgischen Markgrafen Friedrich II. „des Eisernen“ im Jahr 1448 zeigt. Ergänzt wird der Raum durch 114 Wappen von Städten, Adelsherrschaften und Rittergütern, die die politische Struktur der Region zu Beginn des 20. Jahrhunderts widerspiegeln.

Das Schloss ist eines der wenigen Gebäude Lübbens, die den Zweiten Weltkrieg überstanden haben. Heute bildet es ein kulturelles Zentrum der Stadt: Das Museum Schloss Lübben befindet sich im Hauptgebäude, die Stadtbibliothek im benachbarten Westflügel. Im Wappensaal finden Konzerte, Lesungen und repräsentative Veranstaltungen statt, während ein Stockwerk darunter ein anmutiger Raum als Trauzimmer genutzt wird. Das Ensemble verbindet Stadt und Landschaft, City und Schlossinsel – ein Ort, der das Selbstverständnis Lübbens als „Stadt im Spreewald“ sichtbar macht.

Das Museum Schloss Lübben – Geschichte eines kulturellen Neubeginns

Die Geschichte des Museums ist eng mit der Geschichte der Stadt verknüpft. 1906 wurde die „Städtische Altertümer-Sammlung“ gegründet – eines der ersten Museen der Niederlausitz. Sie befand sich am Marktplatz und entwickelte sich zu einem wichtigen Ort regionaler Identität. Doch in den letzten Kriegstagen 1945 wurde das Museum zerstört; weniger als ein Prozent der Bestände konnte gerettet werden.

1950 entstand im Schlossturm ein neues Heimatmuseum, das jedoch nach dem Tod seines Leiters verfiel. Drei Jahrzehnte lang gab es in Lübben kein Museum. Erst im Revolutionsherbst 1989 forderten Bürger*innen neben vielen anderen Veränderungen auch die Rückkehr eines Museums – ein Zeichen dafür, wie sehr dieser Ort der Erinnerung fehlte.

1999 beschloss die Stadtverordnetenversammlung den Ausbau des Schlosses zum Museum. Mit der Eröffnung im Jahr 2001 entstand eines der modernsten Stadt- und Regionalmuseen Brandenburgs. Die Ausstellung war multimedial, interaktiv und zum Mitmachen angelegt. Ein Museumsführer beschrieb sie treffend: „Da staunt der Besucher, man sieht, wie es früher war, hört Geschichten, trifft Menschen, die hier lebten.“ Die Ausstellung führt durch die Geschichte der Niederlausitz, des Spreewaldes und der Stadt Lübben bis in die Gegenwart.

In den folgenden Jahren entwickelte sich das Museum zu einem lebendigen kulturellen Zentrum. Zahlreiche Sonderausstellungen – von Spreewaldromantik über Sportgeschichte bis hin zu DDR-Alltag und sorbischer Kultur – machten das Haus zu einem Ort des Dialogs und der regionalen Selbstvergewisserung. Die Sammlung wuchs kontinuierlich und umfasst heute über 21.000 Objekte.

Der historische Wappensaal, der mittelalterliche Schatzfund, reiche Funde der Lausitzer Kultur sowie Gemälde und niedersorbische Trachten bilden zentrale Bestandteile der Dauerausstellung. Ergänzt wird sie durch Hörstationen, Mitmachangebote, Modelle, Zeitzeug*innenberichte und seit 2023 durch die Lübbener Wunderkammer.

Ein Ort der Identität – für Einheimische und Gäste

Schloss und Museum bilden heute ein Ensemble, das Geschichte, Kultur und Gegenwart miteinander verbindet. Das Schloss ist ein Wahrzeichen, ein kulturelles Zentrum, ein Ort der Begegnung. Das Museum ist ein lebendiges Gedächtnis der Region, das Vergangenheit bewahrt, Gegenwart reflektiert und Zukunft gestaltet.

Gemeinsam erzählen sie die Geschichte Lübbens – anschaulich, vielschichtig und immer wieder neu.

CHRONIK | MUSEUM SCHLOSS LÜBBEN

  • 1906 Gründung des ersten Museums in Lübben: die „Städtische Altertümer-Sammlung“, im Gebäude der Polizeiwache am Marktplatz (bis 1944)
  • 1950 Einrichtung eines naturkundlichen Kabinetts im Schlossturm (bis 1968)
  • Jan. 1997 Christina Orphal (Museumsleiterin bis 2018) beginnt mit dem Aufbau der Sammlung für das neue Museum.
  • 25. Feb. 1999 Die Stadtverordnetenversammlung beschließt das Gestaltungskonzept des Planungsbüros Peanutz. Der Ausbau des Schlosses zum Museum darf insgesamt 1,4 Millionen Mark kosten. Voraussetzung ist die Förderung durch das Land Brandenburg.
  • 22. März 1999 Gründung des Fördervereins des Stadt- und Regionalmuseum Lübben (Spreewald) e.V.
  • Nov. 1999 Zweiter Bauabschnitt der Schlosssanierung abgeschlossen: das Lübbener Schloss erstrahlt in neuem Glanz, u.a. Außenputz, Fenster und Türen saniert. Im dritten Bauabschnitt wird das Innere für das Museum (1.+2. OG) und für eine Gaststätte (EG) umgebaut.
  • 13. Mai 2000 Ministerpräsident Manfred Stolpe übergibt die Fördermittelzusage für das Museum in Höhe von 893.000 DM an Bürgermeister Lothar Bretterbauer zur Eröffnung der Schlossinsel.
  • 1. Juni 2001 Eröffnung des Museums im Schloss: auf zwei Etagen und 450 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden 2000 Exponate gezeigt kombiniert mit interaktiven Medien- und Mitmachstationen. Das Museum gehört damit zur neuen Generation der Geschichtsmuseum und fungierte wegweisend für viele weitere Museen in Brandenburg.
  • 29. Juni 2002 Brandenburgs Kulturministerin Prof. Dr. Johanna Wanka eröffnet die Sonderausstellung „Spreewaldromantik – Künstler sehen eine Landschaft“.
  • 14. Nov. 2002 Der Familienverband der Freiherren und Freifrauen von Houwald übergibt dem Museum Gemälde, Bücher, Möbel und Porzellan sowie die präkolumbianische Sammlung des Diplomaten Götz von Houwald als Dauerleihgabe.
  • 2. Okt. 2004 Schüler und Schülerinnen des Paul-Gerhardt-Gymnasiums gestalten die 3. Museumsnacht mit.
  • 2. Mai 2005 Die Iserlohner Familie Dörte und Albert Klein schenken dem Museum das Gemälde „Mädchen in Weinlaube“ von Julius Uschner.
  • 04. Juli 2007 Präsentation des Schlossmodells im Maßstab 1:100, das den Zustand von 1875 zeigt (gebaut von Malermeister Hans-Richard Groschke) anlässlich der Sonderausstellung „Christian I. – Herzogtum Sachsen-Merseburg und die Niederlausitz 1656–1738“. Das Modell ist mittlerweile fester Bestandteil der Dauerausstellung.
  • 15. Dez. 2008 Der Verein „Freundeskreis für Lübben“ unterstützt die Finanzierung einer Glashaube für das Modell des Lübbener Schlossbezirks um 1875 mit 1.200 €
  • 15. Mai 2011 Etwa 15.000 Objekte befinden sich in der Sammlung.
  • 24. Okt. 2012 Das Lübbener Marktplatz-Modell von Hans-Richard Groschke wird anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung „Hans im Glück“ im Museum erstmals gezeigt. Der Malermeister baute das 2,80 m x 1,10 m große Modell in 1300 Arbeitsstunden. Aktuell steht es im 3. OG des Rathauses.
  • 11. März 2015 Das Museum begrüßt mit einem Blumenstrauß den 100.000sten Gast.
  • 20. Nov. 2015 Olympiasiegern Karin Büttner-Janz und Radprofi Olaf Pollak sind Gäste der Ausstellungseröffnung „Erlebnis Sport. Lübbener Sportgeschichte(n)“.
  • 28. Feb. 2018 Feierliche Verabschiedung der Museumsleiterin Christina Orphal in den (Un-)Ruhestand
  • 1. Juli 2018 Dr. Corinna Junker wird neue Museumsleiterin.
  • 8. Sept. 2018 Gemeinsam mit dem Landkreis feiert das Museum anlässlich des 25. Geburtstags des LDS die „Nacht des Denkmals“.
  • 22. Nov. 2018 Die Band „Monokel“ spielt ihren Hit „Bye, bye Lübben City“ im Wappensaal anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung „Lübben 1971–89. Zwischen Schrebergarten und Arbeitsbrigade“.
  • 3. April 2019 bis 30. Juni 2019 Am und im Schloss finden erstmals Workshops mit regionalen Künstlern und Künstlerinnen für Kinder und Familien statt. Anlass ist das Deutsche Trachtenfest im Mai 2019.
  • 14. Sept. 2019 Katharina Franck (Frontfrau der „Rainbirds“) tritt im Wappensaal anlässlich der Museumsnacht zu Theodor Fontanes 200. Geburtstag auf.
  • 18. März 2020 bis 6. Mai 2020 Schließung des Museums aufgrund der Corona-Pandemie
  • 3. Okt. 2020 Feierliche Eröffnung des Zeitzeugen-Raumes in der Dauerausstellung des Museums
  • 04. Nov. 2020 bis 14. März 2021 Schließung des Museums aufgrund der Corona-Pandemie
  • 03. April 2021 bis 09. Mai 2021 erneute Schließung des Museums aufgrund der Corona-Pandemie
  • Aug. 2022 Horst Köhler (Bundespräsident a.D.) und Rainer Eppelmann besuchen mit ihren Familien das Museum.
  • 10. Sept. 2022 Modedesignerin Sarah Gwiszcz präsentiert zur Museumsnacht die Kollektion ihres Labels Wurlawy im Wappensaal. Sie zeigt u.a. Brautkleider und Kleider von der Fashion Week in Berlin.
  • 15. Nov. 2022 Das Museum erhält aus dem Nachlass der Eheleute Piesker die großzügige Schenkung von 6 Gemälden, darunter drei Gemälde von Walter Moras.
  • Nov. 2022 Für einen Monat hängen Straßenplakate mit Museumsobjekten und der deutschen sowie niedersorbischen Betitelung im öffentlichen Raum (unser Wettbewerbsbeitrag zu „Sorbisch verbindet“, ausgelobt von der Stiftung für das sorbische Volk)
  • 16. Aug. 2023 Das historische Lublina-Klavier (zwischen 1925 und 1929 in Lübben hergestellt) wird nach erfolgreicher Restaurierung wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
  • 13. Sept. 2023 Eröffnung des neuen Empfangsbereich mit Kasse und Shop im Erdgeschoss des Schlosses und Eröffnung der Lübbener Wunderkammer in der Dauerausstellung des Museums zur Museumsnacht.
  • 14. Okt. 2023 Marleen Krüger (Mitglied der Museums-AG des Paul-Gerhardt-Gymnasiums) erhält für ihre Collage „Chai heißt Leben – auch in Lübben“ den 2. Platz des Rolf-Joseph-Preises in Berlin. Die Collage ist seit Januar 2024 Teil der Dauerausstellung.
  • 11. Nov. 2023 Unsere Museums-AG des Paul-Gerhardt-Gymnasiums präsentiert ihre Projektergebnisse zum Thema „Stasi in Lübben“ auf der Jugendgeschichtsmesse in Potsdam.
  • 9. Nov. 2024 Feierliche Präsentation der Publikation „Das jüdische Lübben. Einblicke in eine vergangene Epoche“ in Kooperation mit Partnerschaft für Demokratie und dem Lübbener Forum gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit
  • 31. Dez. 2024 21.158 Museumsobjekte gehören zur Sammlung. Ein Teil davon ist online sichtbar: https://sammlung.robotron-services.de/StadtLuebben/
  • 13. Juni 2025 Turnlegende Sylvio Kroll besucht die Sonderausstellung „Stadthelden“ und trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein.
  • 10. Juli 2025 Karsten Speck (Schauspieler in der Serie „Spreewaldklinik) moderiert das Grüne Sofa zum Thema Kultur.
  • 18. Juli 2025 Familie von Houwald schenkt dem Museum das Gemälde „Die Spreewälderin“ von Werner von Houwald anlässlich des 875. Stadtjubiläums.
  • 12. März 2026 Zur Eröffnung der Sonderausstellung „Paul Gerhardt in Lübben“ präsentiert das Museum die Originalurkunde von 1666, die Lübben zum Regierungsstandort der Niederlausitz erklärt (Leihgabe des BLHA).
  • 06. Juni 2026 Das Museum feiert mit dem Kinderspektakel am und im Schloss seinen 25. Geburtstag.

 

AUSSTELLUNGSHIGHLIGHTS

(eine Auswahl aus über 100 Sonderausstellungen)

  • 2002 „Spreewaldromantik – Künstler sehen eine Landschaft“
  • 2003 „Steine aus Europa. Die Sammlung der Auguste Charlotte, Gräfin von Kielmannsegge“
  • 2005 „Heiligenverehrung in der Niederlausitz“
  • 2007 „Der Streit ums Spreewasser“
  • 2008 „Meerrettich oder Kaviar? Der Spreewald und Berlin“
  • 2009 „Rote Lippen soll man küssen. Lübben in den 1960er Jahren“
  • 2010 „Lübben nach dem Inferno. Die Jahre 1945 bis 1961“
  • 2011 „Verliebt in die Liebe. Filme und Filmstars im Spreewald“
  • 2013 „Hecht mit Spreewaldsoße. Fischerei im Spreewald“
  • 2014 „Wie wir Preußen wurden“ (in Kooperation mit der 1. Landesausstellung)
  • 2015 „Erlebnis Sport. Lübbener Sportgeschichte(n)“
  • 2016 „Mode aus Lübben. Vom Schönfärber zur Konfektionsbrigade“
  • 2018 „Lübben 1971-89. Zwischen Schrebergarten und Arbeitsbrigade“
  • 2019 „Durch die wendische Walachei. Lübben in der Zeit Fontanes“
  • 2019 „Lübben 1989. Zwischen Vorstellung und Realität“
  • 2021 „Du sollst doch wissen, dass ich an dich denke. Feldpostbriefe von 1943 bis 1947“
  • 2022 „Wěcej ako drastwa | Mehr als eine Tracht“
  • 2023 „Stasi in Lübben. Zum Wirken der Kreisdienststelle des MfS Lübben in der Region“
  • 2025 „Walter Moras. Spreewaldlandschaften zwischen Wasser und Licht“
  • 2025 „Stadthelden. Lübbener Persönlichkeiten heute und früher“
  • 2026 „Paul Gerhardt in Lübben“


ONLINE-AUSSTELLUNGEN (Verbundprojekte)

  • 2020 „Kanope, Krokodil und Königsstuhl. Globale Geschichten in brandenburgischen Museen“
  • 2021 „Künstlerinnen in Berlin und Brandenburg bis 1875“
  • 2023 „Alles (außer) gewöhnlich. Objektgeschichten aus Dahme-Spreewald“
  • 2024 „Lübbener Innenstadt, gestern und heute“


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