Blog

BLOG

  • [ 1 ] EIN BLICK IN UNSER DEPOT (Mai 2021) von Marianne Wenzel

    Die Ausstellungsräume im Schloss sind schon viele Monate für Besucher geschlossen. Die Schließzeit wird für Aufgaben genutzt, für die oft zu wenig Zeit bleibt. 
    Museen haben viele Aufgaben: Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln. Die Betreuung von Besucherinnen und Besuchern sowie Vermittlung machen einen großen Teil der Museumsarbeit aus. Andere wichtige Aufgaben finden jedoch in den Büros und Depots statt. Die Zeit der Schließung wird im Lübbener Museum für umfassende Sammlungspflege und Objekterfassung genutzt. Das Museum besitzt mehrere Sammlungen mit insgesamt über 20.000 Objekten, Tendenz steigend. Von Gemälden über historische Landkarten bis zum Reisepass oder einem Fußballprogramm von Dynamo Lübben: Die Inventarisierung eines Objekts ist aufwändig.

    Sammeln und Inventarisieren 
    In der Regel beginnt die Inventarisierung mit einem Gespräch mit der Schenkerin oder dem Verkäufer. Es wird gefragt, was es mit dem angebotenen Stück auf sich hat, wer die Vorbesitzer waren und ob es in das Sammlungskonzept das Hauses passt. Es wird ein Übergabebeleg angefertigt und dann beginnt die umfangreiche Arbeit: Das Objekt wird händisch in die seit den späten 1990er Jahren geführten Inventarbücher aufgenommen. Wichtig ist hierbei die Vergabe der Inventarnummer, die auch auf das neue Exponat aufgebracht wird. Zeitintensiver ist die Aufnahme in die Museumsdatenbank. Das Objekt wird fotografiert und vermessen, beschrieben und manchmal sogar gewogen. Um die Objekte für die spätere Arbeit nutzbar zu machen, wird manches Mal direkt recherchiert. Bei einem Gemälde werden Nutzungsrechte mit den Nachfahren geklärt oder die Frage, wann sich die Künstlerin in Lübben und dem Spreewald aufgehalten hat. Bei einer Erkennungsmarke der Wehrmacht werden beispielsweise Militärhistoriker befragt, welche Geschichte sich hinter der Nummer und der Fundsituation verbergen könnte. Anschließend wird das Objekt sachgerecht verpackt und in eines der Depots verbracht. Da das Museum Räumlichkeiten im Schloss und im Rathaus nutzt, ist wird auch der exakte Standort hinterlegt.

    Die aufwändige Arbeit ist für den Großteil der Objekte bisher nur in Ansätzen erfolgt, denn Zeit war und ist im Museum meist knapp. Veranstaltungen und Ausstellungen wird häufig Vorrang eingeräumt. Oft fehlen Fotografien und genaue Beschreibungen der vielen Objekte. Doch in der Datenbank muss jedes Stück möglichst genau beschrieben sein. Durchsucht man die Datensätze, um eine neue Ausstellung zu planen oder Anfragen von Wissenschaftlern zu beantworten, helfen Schlagworte wie „Badeanstalt“, „Lübbener Jäger“ oder „FDGB-Ausweis“. 

    Und sonst? 
    Aktuell wird die Fachbibliothek des Museums in die Datenbank aufgenommen, um Literaturrecherchen zu vereinfachen. Standorte werden kontrolliert, sodass das gesuchte Buch schnell gefunden wird. Des Weiteren wird die Sammlung der Ansichtskarten in hoher Auflösung digitalisiert, um sie bald online zugänglich zu machen. Viele Altbestände harren noch ihrer Bearbeitung, während neue Objekte schon in den Regalen warten. Die Zeit der Lockdowns haben viele Lübbener genutzt, um ihre Besitztümer zu sichten und dem Museum anzubieten. Dies ist nur ein kleiner Einblick in unsere gegenwärtigen Aufgaben. Wir sind mit der Gestaltung der Sommerausstellung „Hall of Fame“ beschäftigt, in ihr stellen wir internationale und regionale Musikgeschichte(n) aus. Zusätzlich planen wir die Neuaufstellung der Ausstellungsräume und stärken die Museumspädagogik, sodass auch in Zeiten der Pandemie Vermittlungsarbeit für Schulklassen möglich ist. Neben den Ansichtskarten steht die professionelle Digitalisierung eines Teils der Gemälde-Sammlung ins Haus. Die Schließzeit wird sinnvoll und nachhaltig genutzt. Alle Kolleginnen und Kollegen des Museums freuen sich jedoch sehr, bald wieder Besucherinnen und Besucher willkommen zu heißen.

    M. Wenzel

  • [ 2 ] KÜNSTLERIN INGRID GROSCHKE & IHRE VERBINDUNG ZU SPREEWALDSAGEN von Christoph Köllnick

    Einleitung
    Eine der bekanntesten Lübbener Künstlerinnen ist Ingrid Groschke. Eigentlich stammt sie gar nicht aus Lübben, aber durch ihren Mann Hans-Richard Groschke kam sie hierher und blieb hier, da es ihr in Lübben sehr gut gefiel.

    Ingrid Groschke liebte schon immer Märchen und Sagen, was man so gut wie in allen Geschichten von ihr nachlesen kann, denn sie haben fast immer etwas mit Sagen zu tun.

    Eine Sache gefiel ihr an Märchen und Sagen nicht: Diese Geschichten endeten meist schlecht oder grausam. Sie denkt, dass Sagen und Märchen Kindern keine Angst machen sollen, sie sollen eher Interesse wecken und nicht abschrecken. Also wollte sie das in ihren Geschichten eher vermeiden. Daher ermahnt die Mittagsfrau z.B. nur noch und tötet nicht mehr, wenn ihre „Opfer“ nicht eine Stunde über den Flachsanbau erzählen können.

    Besonders liebt sie den Wassermann, daher kommt er auch in vielen ihrer Geschichten vor.

    Wenn man an Sagen denkt, denkt man auch an sie, das verbindet sie meiner Meinung nach mit dem Spreewald.

    Wer ist Ingrid Groschke? 
    Ingrid Groschke wurde 1945 in Finsterwalde geboren. Ihr ist das Talent des Malens und Geschichtenschreibens sozusagen in die Wiege gelegt worden, denn von Kindheit an malte sie gern.

    Vermutlich hat sie das von ihren Eltern und ihrem Opa, denn sie waren alle künstlerisch begabt. Der Vater war sehr musikalisch und konnte viele Instrumente spielen.

    Ihre Mutter las ihr oft Märchen vor, weshalb sie heute noch spannende Geschichten wie Märchen oder Sagen sehr mag.

    Ihr Opa soll sogar mit Heinrich Zille in einem Malsaal gearbeitet haben.

    Da ihr Wunsch, Kinderbücher zu illustrieren blieb, machte sie eine Malerausbildung, bei der sie dann Hans-Richard Groschke begegnete. Beide legten 1966 die Meisterprüfung ab. Sie heirateten später und bekamen Kinder.

    Ingrid Groschke hatte kein Abitur, wollte aber trotzdem studieren. Daher besuchte sie eine Abendschule in Cottbus. Daraufhin war sie befugt den Mal- & Zeichenzirkel in Lübben zu leiten, das machte sie 20 Jahre lang.

    Außerdem arbeitete sie in Cottbus in der Bezirksarbeitsgemeinschaft mit, in der sie viele Anregungen mitbekam. Daraufhin folgten viele Ausstellungen im In- und Ausland.

    Es sind immer noch viele Werke von ihr in Lübben zu finden.

    Da sie malen immer besonders gerne mochte, begann sie Kalender zu illustrieren. Die Kalenderbilder vom Spreewälder Sagenkalender stellte sie 1995 im Wendischen Museum Cottbus aus.

    Aber sie war noch nicht fertig mit ihrer Ausbildung, sie schloss 1997 in Hamburg ein Fernstudium in Belletristik ab. 2001 beendete sie an der Schule für Karikatur und Comic ihr Studium und 2004 ihr Studium für Kinder- und Jugendliteratur. Nun war es ihr möglich ihre Geschichten im Domowina-Verlag zu veröffentlichen, was sie bis heute macht.

    Was sind Sagen und warum gehören Sie ins Museum?
    Das Wort Sage kommt vom althochdeutschen Wort Saga (= gesagtes). Es sind Geschichten, die mündlich weitergegeben wurden. Meist spielten Naturereignisse eine Rolle, deren Erscheinung man sich nicht erklären konnte. So erfand man diese Geschichten, die zum Teil wahre Dinge beinhalten, aber zum großen Teil aus der Phantasie der Menschen bestehen.

    Auch wenn man heute Naturereignisse wissenschaftlich erklären kann, findet man bei den Sagen zwischen den Zeilen doch einen tieferen Sinn.

    Sagen verraten viel über die Zeit, in der sie entstanden sind und verraten den Mitarbeiter*innen des Museums:

    . wie haben die Menschen früher gedacht

    . wie haben sich Menschen Naturereignisse früher erklärt

    . woher kommt ihr Ursprung

    . tieferer Sinn

    . Sagen an Ort gebunden

    . Wissensvermittlung

    Der Unterschied zwischen Sagen und Märchen ist der, dass Märchen überall ähnlich erzählt werden, Sagen werden aber nur regional erzählt, d.h. sie sind an einen Ort gebunden, ein Beispiel ist die Sage über den Teufel und seine Ochsen. In der es darum geht, dass sich die Ochsen des Teufels beim Pflügen losrissen, weil er unbedingt seine Arbeit erledigt haben wollte, aber die Ochsen nicht mehr wollten und sich stur stellten. Der Teufel wurde wütend und die Ochsen erschraken so sehr, dass sie in alle Richtungen davonrannten. Überall blieben tiefe Furchen zurück, darin sammelte sich langsam das Wasser. Diese Landschaft mit den vielen kleinen und großen Wasserarmen nennt man heute den Spreewald.

    Diese Sage kann man nur im Spreewald erzählen, denn auf einen anderen Ort würden sie wohl kaum zutreffen.

    Eine andere interessante Sache für die Museen ist, dass in den Sagen meist ein wahrer Kern vorhanden ist. Wie z.B. die Geschichte von der Mittagsfrau, bei der die Menschen (meist Frauen), wenn sie mittags beim Arbeiten erwischt wurden, eine Stunde über den Flachsanbau reden mussten. Daher kann man darauf schließen, dass es im Spreewald früher viel Flachsanbau gab.

    Die Mittagsfrau                                
    Mittags, wenn die Sonne am höchsten steht, und die Hitze am größten ist, sollte keiner mehr auf dem Feld arbeiten, sonst erscheint im weißen Gewand eine große hagere Gestalt mit der Sichel in der Hand, die Mittagsfrau. Meist sind es Frauen, die noch auf dem Feld sind, dann droht die Mittagsfrau mit ihrer Sichel sie zu töten, wenn sie nicht eine Stunde lang über die Flachsernte und ihre Verarbeitung reden können. Das gelang nicht jeder Frau und dann musste sie mit dem Leben bezahlen.

    Heutzutage spielt der Flachsanbau keine so große Rolle mehr. Laut Ingrid Groschkes Geschichten ist die Mittagsfrau nicht mehr so streng, sie ermahnt nur.

    Der Wassermann, Herrscher des Wasserreichs                                                         
    Der Wassermann, auch als Nix bekannt, ist der Herrscher des Wasserreichs und zeigt uns immer wieder, dass das Wasser für Menschen, Tiere und Pflanzen lebensnotwendig ist. Man kann auf dem Wasser Lasten transportieren und dort leben viele Fische, die als Nahrung dienen. Das Wasser kann aber auch als Bad zugutekommen oder als Lebensraum für verschiedene Tiere da sein. Es ist für das Leben unentbehrlich. Da der Wassermann das Wasserreich beherrscht, entscheidet er dort über Gut und Böse. Ist der Wassermann zornig, zeigt er seine böse Seite. Er lässt das Wasser über die Ufer treten, wodurch die Ernte zerstört wird und die Existenz der Menschen bedroht ist.

    Merkt er, dass ein Mensch gut ist, dann hilft er ihm, wenn er Hilfe benötigt. Diejenigen, die böse sind, bestraft er durch Streiche und Gemeinheiten. Den Fischern ist er auch manchmal gut gesonnen. Er spült dann Fische in ihre Netze.

    Erschien der Nix in früheren Zeiten als Dämon, und das geschah im Spreewald ziemlich oft, erging es den Menschen und Tieren schlecht. Er brachte Hochwasser mit sich; manchmal war mehrere Wochen das Land überschwemmt und vieles wurde zerstört. Im Winter kam dann die nächste Katastrophe mit viel Eis und Schnee. Wenn im Frühjahr alles auftaute, war die Überschwemmung noch stärker als vorher. Das geschah zum Beispiel in den Jahren 1926/27.

    Der Wirbelwind
    Gerade zur Heuernte ist der Wirbelwind nicht gern gesehen. So schnell wie er kommt, so schnell ist er wieder weg. Gerade zur Heuernte schauen die Bauern oft zum Himmel, ob sich möglicherweise der Wirbelwind zeigt, denn wenn das Heu ganz trocken war, wurde es auf Heuschobern zusammengetragen auf dem Schober aufgestapelt und festgetreten. Dazu gehörte viel Anstrengung und man war froh, wenn der Schober fertig war. So konnte das Heu bis zum Winter dort stehen, und wurde erst dann geholt, wenn es gebraucht wurde. Da war es besonders ärgerlich, wenn beim Aufbau des Schobers der Wirbelwind auftauchte und alles auseinander blies. Dann war die Arbeit umsonst und man musste von vorne anfangen.                                                                                     

    Der wilde Jäger
    Ist der wilde Jäger des Nachts unterwegs, kommt plötzlich starker Sturm auf und die Bäume biegen sich. Hunde begleiten ihn und versetzen die Menschen in Angst und Schrecken. Der Wilde Jäger findet zur Strafe für begangene böse Taten in der Nacht keine Ruhe. Besonders im Herbst und im Frühling ist er mit einer Horde wüster Gestalten unterwegs und sie jagen, begleitet von lautem Gewehrfeuer, das Wild vor sich her. So schnell wie sie kamen, waren sie auch wieder weg.

    Christoph Köllnick, Schülerpraktikant im Dezember 2022

  • [ 3 ] AUFGABEN EINES MUSEUMS von Christoph Köllnick

    Ich bin in der 9. Klasse am Paul-Gerhardt-Gymnasium Lübben und mache mein Praktikum im Museum Schloss Lübben. Ich interessiere mich schon lange für Dinge aus der Vergangenheit, weshalb ich als Kind auch sehr oft und gerne in Museen war. Besonderes Interesse habe ich an naturwissenschaftlichen Themen, wie hier im Beitrag zu sehen ist.

    Einleitung
    Dieser Beitrag dreht sich um Plakate, die nach 1945 und vor 1989/90 entstanden sind und verbreitet wurden. Besonders interessant waren für mich die Tier- und Pflanzenplakate, weshalb ich hauptsächlich über sie schreibe. Zwar haben diese Plakate an sich nicht viel mit Lübben zu tun, aber für mich waren sie trotzdem sehr interessant, daher die Auswahl.

    Sammeln
    Die Plakate in diesem Beitrag sind nach 1945 entstanden. Sie wurden zum Teil 2003 an das Museum geschenkt, aber auch teilweise 1999 angekauft und werden seitdem hier aufbewahrt. Da zu dieser Zeit das Museum neu aufgebaut wurde, wurden so gut wie alle angebotenen Objekte angenommen, was zur Folge hat, dass viele Plakate nichts mit Lübben zu tun haben.

    Bewahren
    Wie werden die Papierplakate aufbewahrt? Warum?

    Alle Papierplakate in diesem Museum werden in Depoträumen aufbewahrt. Das wird so gehandhabt, da sonst die Gefahr besteht, dass die Plakate durch zu hohe Luftfeuchtigkeit oder zu niedrige/ hohe oder schwankende Temperaturen Schaden erleiden oder kaputtgehen. Durch stabile Bedingungen, von Temperatur und Luftfeuchtigkeit ist Papier geradezu ewig haltbar. Die größte Gefahr für die Plakate in den Depoträumen sind Schädlinge, wie zum Beispiel Papierfischchen. Um einen Befall frühzeitig zu erkennen, werden Insektenfallen aufgestellt, die jede Woche gewechselt werden.

    Forschen 
    Was an diesen Plakaten kann interessant für Forscher und Laien sein?

    Alte Schriftstücke und Plakate werden immer seltener und daher steigt auch ihr Wert. Durch diese Seltenheit wird es für Forschende immer schwieriger das Vergangene zu untersuchen. Zwar sind diese Plakate nicht von berühmten Personen, aber sie stellen als Beispiel den Wissensstand zu dieser Zeit dar, welche Veranstaltungen stattfanden und wie die Menschen damals gedacht und gelebt haben.

    Vermitteln
    Wie kann man das Interessante an diesen Plakaten bekannt machen?

    Um Plakate bekannt zu machen, können sich Besucher diese Plakate in Sonder- und Dauerausstellungen anschauen. Sie könnten in Vorträgen erwähnt werden oder es könnten sich ganze Vorträge nur um eins oder mehrere dieser Plakate drehen. Genauso wäre es möglich Führungen zu machen und Textbeiträge über die Plakate zu schreiben, um bei den Menschen Interesse für sie zu wecken.

  • [ 4 ] PROVENIENFORSCHUNG IM MUSEUM SCHLOSS LÜBBEN von Marianne Wenzel

    Die Provenienzforschung befasst sich mit der Herkunft von Objekten. Sie ist einerseits wichtig für die Institutions- und Sammlungsgeschichte eines Museums, aber auch um Stücke zu erkennen, die unrechtmäßig in das Haus gekommen sind. In deutschen Museen wird daher ein Augenmerk vor allem auf Objekte gelegt, die zwischen 1933 und 1945 jüdischen Besitzern entzogen worden sein könnten.

    Im Museum wurde im Jahr 2016 ein „Erstcheck“ durchgeführt, d.h. die musealen Sammlungen wurden darauf geprüft, ob Objekte vorhanden sind, die womöglich NS-verfolgungsbedingt entzogen worden sind. Gefördert wurde die Überprüfung vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste [Hyperlink].

    Die erste Gründung des Lübbener Museums befand sich in Lübben am Markt und ist im April 1945 niedergebrannt. Die erhaltenen Inventarbücher und das vom Brandenburgischen Museumsverband durchgeführte Projekt Verlustsache Märkische Sammlungen [Hyperlink] deuten darauf, dass zu jener Zeit keine Objekte in das Lübbener Museum kamen, die aus jüdischem Besitz stammen. Ab 1997/98 wurde die Sammlung des 2001 eröffneten Museums neu aufgebaut, sodass mit diesem Datum beginnend alle Eingänge untersucht worden sind.

    Findet ein Museum Objekte aus vormals jüdischem Besitz, ist es dazu angehalten mit den Erben eine „gerechte und faire“ Lösung zu finden. Üblich ist es, dass das Objekt den Erben zurückerstattet wird, häufig kauft oder leiht aber auch das Museum das Objekt direkt zurück.

    Provenienzforschung untersucht auch Objekte mit anderen Herkünften. Neben den Enteignungen während der NS-Zeit – die neben jüdischen Personen auch Sinti und Roma, Homosexuelle, politische Verfolgte, Ausreisende allgemein u.a. getroffen haben kann – sind ein zweites wichtiges Untersuchungsfeld koloniale Sammlungen. Insbesondere in Museen mit ethnologischen, also völkerkundlichen Sammlungen, prüfen Mitarbeiter verstärkt, wie die Sammlungen in ihr Haus gekommen sind.
    Das ist ein Untersuchungsfeld für sehr viele Museen, vor allem in Europa, dessen Kolonien die restliche Welt umfassten. Insbesondere im 18., 19. und auch noch im 20. Jahrhundert wurden Kunstgegenstände, religiöse Artefakte und auch menschliche Überreste aus den Kolonien nach Europa verbracht. Die Objekte, die in Europa aufbewahrt werden, werden häufig in den Herkunftsregionen schmerzlich vermisst. Besonders betroffen sind ehemalige Kolonien in Afrika und Asien, doch auch in Südamerika. Wer in Berlin die Büste der Nofretete oder den Pergamonaltar betrachtet, sollte bedenken, dass diese Stücke in Ägypten und der Türkei vermisst werden.

    Ein wiederum vorrangig deutsches Thema sind die Objekte in Museen und Privathand, die in der SBZ oder der DDR enteignet worden sind. Sie finden sich teilweise in den musealen Einrichtungen der ehemaligen DDR wieder, sie sind aber auch über die Kunst- und Antiquitäten GmbH (KuA) der DDR zur Devisenbeschaffung in westdeutschen Auktionen angeboten worden, sodass sie grundsätzlich weltweit verstreut sein können. Über die KuA sind jedoch auch Exponate verkauft worden, die vorher den Museen der DDR gehört haben.

    Gesetzliche Grundlagen für Rückgaben gibt es nicht –, allein die Erben von NS-verfolgungsbedingt entzogenen Gütern können sich auf das Washingtoner Abkommen von 1998 berufen, dass die Bundesrepublik mit der „Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz“ vom 9. Dezember 1999 würdigte. Gibt es keine überlebenden Erben oder werden sie nicht gefunden, findet die Rechtewahrung durch die Jewish Claims Conference statt.
    Staaten, die als Kolonie kulturelle und religiöse Artefakte oder sogar menschliche Überreste verloren haben, haben keinen rechtlichen Anspruch auf Rückgabe. Privatpersonen, die während der SBZ- und DDR-Zeit, Besitz verloren haben, haben nach Verjährungen nun auch keinen Anspruch auf Erstattung. Dennoch wird auch hier seitens vieler Museen versucht „gerechte und faire“ Lösungen zu finden.

    Die Sammlung des Museums Schloss Lübben wächst bis heute. Der Großteil der Objekte wird uns von den Vorbesitzern geschenkt und ist unverdächtig, was die Herkunft angeht. Zur Aufnahme gehört dennoch in aller Regel die Frage: Woher haben Sie es, woher stammen die Stücke? Wenn wir heute Kunstgegenstände ankaufen, prüfen wir, ob in der Datenbank Lost Art [Hyperlink] eine Suchmeldung für das Kunstwerk eingetragen ist. Hier finden sich Verluste aus der NS-Zeit, vorrangig von Nachfahren, denen Güter entzogen worden sind, aber auch von Museen, die Kriegsverluste durch Zerstörung und Auslagerung erlitten haben.

    Provenienzforschung ist eine Aufgabe, die die Museen sowie Archive und Bibliotheken dauerhaft beschäftigt und auch vom Lübbener Museum stets bedacht wird.